Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Die Bodenstanduhr des Egidius Arzt. Ein Meisterstück

Meisterstücke sind von besonderem Interesse, denn sie sind der Ausweis handwerklichen Könnens. Das Schottenstift besitzt ein solches Meisterstück: eine Bodenstanduhr von ungewöhnlicher Qualität. Ihr Hersteller – Egidius Arzt – hat sie an zwei Stellen (auf dem Ziffernblatt und auf der Ankerbrücke) stolz signiert.

Die Uhr hat eine Gangdauer von einem Monat. Die Datumsanzeige ist retrograd: Der Zeiger springt auf einer halbkreisförmigen Skala beim Monatswechsel auf 1 zurück. Der Clou ist aber, dass es sich um einen ewigen Kalender handelt. Die Uhr „weiß“ nicht nur um die Länge der Monate, sie kennt auch die Schaltjahre.

Franz Egidius Arzt wurde 1756 oder 57 geboren. Im Jahr 1791 (nach anderen Quellen 1794) erwarb er die Meisterschaft. Unsere Uhr ist also datierbar. Arzt ist historisch auch deshalb interessant, weil er zu jenen Uhrmachern gehörte, die zu den frühen Wiener Flötenautomaten die Antriebe geliefert haben. Die größten Komponisten – Beethoven, Mozart, Haydn – haben für diese frühen Flötenautomaten Stücke geliefert. Von Arzt sind zwei solcher Automaten bekannt.

Das Werk unserer Uhr ist äußert fein und sorgfältig ausgeführt. Es ist erstaunlich, welche Ästhetik aus der Allianz von Technik und Handwerk hervorgeht. Die Restaurierung einer solchen Uhr stellt allerdings vor ein Dilemma. Die Platinen, Räder und Schrauben sind in der Regel durch Öle und Putzmittel verschmutzt. Die Verschmutzungen müssen entfernt werden, weil sie auf lange Sicht die Metalle angreifen. In den entsprechenden Bädern geht aber auch die Patina verloren. Ein Trost ist, dass Messing (sofern man es nicht lackiert) schnell wieder patiniert.

Kompromisse sind aber auch sonst unumgänglich, wenn man die Uhr wieder in Gang bringen will. Bei unserer Uhr beispielsweise waren die Köpfe einiger Schrauben durch den Gebrauch unpassender Schraubenzieher so zerschunden, dass man sie nicht mehr richtig anziehen konnte. Da wir aber wollten, dass die Uhr wieder geht, mussten die betroffenen Schraubenköpfe (nota bene nur die Köpfe) überarbeitet werden. Ihre Oberfläche ist also notgedrungen neu.

Das Vorhaben gelang: Die Uhr wurde von Herrn Michael Ramsauer (Firma Pierre Schmollgruber) wieder in Gang gesetzt. Richard Addison restaurierte den schönen, nussfurnierten Kasten.

Die Bodenstanduhr des Egidius Arzt steht in einem Bereich des Museums, der nur mit Führungen zu besichtigen ist. Führungen finden jeden Samstag um 14:30 statt (außer an Feiertagen). Treffpunkt im Klosterladen.

Literatur: Helmut Kowar, „Sie spielt besser als das Orchester im Kärntnertor“. Die Wiener Flötenuhr, Wien 2001, S. 120 f., 167, 209. – Jügern Abeler, Meister der Uhrmacherkunst, Wuppertal 20102, S. 38.

 

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