Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Geistliche Impulse aus dem Schottenstift

Pfingsten 2021

Mittlerweile habe ich schon ein paar Mal gesehen, wie auf einem Bildschirm in Dauerschleife Feuer flackert.

Tatsächlich ist es unglaublich faszinierend, dem Spiel der Farben und der ständig überraschenden Dynamik der Flammen zuzusehen. Irgendwie aber auch pervers: die alles vernichtende und verwandelnde Urkraft des Feuers, seine unbändige Energie, die in Wahrheit nicht auszuhaltende Hitze der Flammen – hier eingesperrt in einen rechteckigen Bildschirm, inmitten eines behaglichen, gemütlichen, hoffentlich wohltemperierten Wohnzimmers.

Wir alle haben uns in den vergangenen Monaten daran gewöhnen müssen, viele Bereiche unseres Lebens über den Bildschirm zu erledigen: Homeoffice, online Unterricht, Zoomkonferenzen, Online-Shopping… auch in der Kirche haben wir uns mit den modernen Medien angefreundet. Viele Diözesen und Pfarrgemeinden streamen ihre Gottesdienste und laden zu virtuellen Veranstaltungen, um auch in Pandemiezeiten die Gemeinde zusammenzuhalten. Wie gut, dass es diese Möglichkeiten gibt – zugleich, wie armselig im Vergleich zu echten Begegnungen.

Zu Pfingsten haben die Apostel die Dynamik des Heiligen Geistes als Kraft eines unbändigen Feuers erlebt.

Das wünsche ich am heurigen Pfingstfest daher jedem Einzelnen von euch und der Kirche als ganzer: dass uns die Öffnungsschritte dieser Tage aus der leblosen Distanz hinter den Bildschirmen befreien und neu zusammenführen. Dass wir wieder von der Dynamik realer Begegnungen erfasst werden – und von der alles verwandelnden und in Brand setzenden Kraft des Heiligen Geistes. Gegen alle Verzagtheit und Mutlosigkeit!

Abt Nikolaus

“Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”

“Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”: Ein Satz des Irenäus von Lyon (+ um 200 n. Chr.), der mich schon seit Jahren begleitet und den ich anlässlich meiner Wahl zum Abt als Leitgedanken ausgesucht habe.

In den Tagen des anbrechenden Frühlings wird mir bewusst, welche Kraft in allem Lebendigen steckt. Wie Blumen scheinbar mühelos aus der Erde hervorsprießen, um sich der Sonne entgegenzustrecken – fast scheint es, sie blickten neugierig auf das, was ihnen das Leben zu bieten hat. Fasziniert höre ich die Vögel in den Büschen und Bäumen. Zwitschern sie aus reiner Freude am Leben? Wollen sie mit ihrem Gesang Partner finden? Haben ihre Töne feste Bedeutungen, oder geht es darum, Stimmungen weiterzugeben?
All das erweckt in mir eine tiefe Sehnsucht nach Leben.

Mehr als ein Jahr dauert es nun an, dass wir durch Corona massiv in unserer Lebendigkeit eingeschränkt sind. Das ständige Tragen von Masken, das obligatorische Abstandhalten, die Einschränkung der Begegnungen sind schwer auszuhalten. Vielleicht kann ich aber im Umkehrschluss besser erkennen, wer ich als Mensch bin. Und mein Augenmerk darauf richten, allen Einschränkungen zum Trotz eine neue Lebendigkeit zuzulassen. Indem ich in die Natur gehe, indem ich die Eindrücke um mich herum bewusster wahrnehme, indem ich aus dem Weg zu räumen versuche, was Beziehungen erschwert.
Kann mir die Kunst dazu Anregungen bieten? Habe ich eine kreative Idee, jemanden mit einem guten Wort, einem aufmunternden Blick, einem kleinen Geschenk zu überraschen?

“Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”: Herr, schenke uns aufs neue diese Lebendigkeit. Damit in allem dein Name verherrlicht werde!

Abt Nikolaus

3. November 2020

Gestern Abend – das gemeinsame Nachtgebet der Mönche am Allerseelentag ist längst zu Ende, da kommen die Mitteilungen: Wie geht es euch? Seid ihr in Sicherheit? Jetzt fallen mir die Polizeisirenen auf und ich schalte den Fernseher ein. So nahe kann man am Ort des Geschehens sein und doch zunächst nichts mitbekommen. Wie nahe wir sind, zeigen uns die Bilder, von einer anderen Seite höre ich von Menschen, mit denen ich jetzt Kontakt habe: Der Vater eines Freundes ist schwer verletzt, schreibt der eine; der andere: Wir sitzen in einem Restaurant in der Nähe des Geschehens und die Polizei lässt uns nicht nach Hause; und ein Dritter: Ich war fünf Minuten, bevor geschossen wurde, am Schwedenplatz.

Dann die Sorgen der Bewohner des Schottenhofes und der Brüder im Konvent – auch auf Anraten der Polizei schließen wir die Tore; die Schule muss morgen ganz abgesagt werden.

Erst danach das Nachdenken: Nizza, Lyon, Wien – was macht den Terror, und was macht der Terror mit uns? Schuldzuweisungen gibt es genug im Netz und immer und immer wieder die Verwechslung von Islam und Islamismus, von religiösem Glauben und Fanatismus. Verbrecher müssen unschädlich gemacht werden, aber auch das Substrat, auf dem der Terror wächst.

Der folgende Tag: bedrückt, ruhig, aber wie ein Tag während der Exerzitien – das Gegenprogramm zum hektischen Charakter der Nachrichtenmeldungen. Und immer wieder die entscheidende Frage: Haben Menschen des Friedens eine Chance? Der Prediger im heutigen Konventamt verbindet die Ereignisse der letzten Stunden mit dem Hymnus aus dem Philipperbrief, mit der Erniedrigung Christi nach dem Willen des Vaters. Darüber denke ich noch nach und freue mich über die Worte des Kardinals im Stephansdom: Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens!

Abt Johannes

“Drum lass ich ihn nur walten”

Der Psalmist betet: Gott, du hast uns verworfen, zerschlagen. Du hast uns gezürnt. Stelle uns wieder her! Und weiter: Hartes ließest du dein Volk erfahren… (Ps 60, 3.5)

In diesen Tagen treffen diese Sätze wohl die Stimmung vieler Menschen. Eine Erkrankung auf Grund einer Infektion ist schon übel, aber in einem solchen Fall kann man sich der Kunst der Ärzte überlassen. Bedrängender erscheint die Angst zu erkranken, die durch die notwendigen Vorsorgemaßnahmen noch verstärkt wird.

Viele, deren Aufgabe es ist, das Leben der Gemeinden zu gestalten, den Betrieb einer Schule; die eine Familie zusammenhalten wollen und dafür sorgen müssen, dass das tägliche Brot nicht fehlt, stehen wieder vor gewaltigen Herausforderungen. Nicht zu reden von den Vielen, die Furcht haben vor einem Verlust der Verdienstmöglichkeiten oder den finanziellen Einbußen – dies alles ist wirklich „Hartes“, wie es im Psalm 60 heißt.

Wie viele andere Texte der Bibel spricht auch dieser Psalm davon, dass Gott sich von der Bedrängnis seines Volkes bewegt fühlt einzugreifen, die Not zu beenden. Ob auch diese gute Wendung zu unserem Gebet werden kann? Wir könnten zumindest auf die Erfahrung von Menschen zurückgreifen, die von solchen Rettungserlebnissen erzählen. Vorkehrungen, die die Gefahr einer Ansteckung minimieren wollen, sind wichtig und hilfreich. Nicht weniger sind es die Geschichten von Menschen, die wie mit einem bekannten Kirchenlied sagen können:
Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten. Drum lass ich ihn nur walten.

Dankbarkeit

Liebe Besucher des Schottenstiftes,
wenn man jetzt durch die Wiener Innenstadt geht, entsteht der Eindruck: Alles wieder in Ordnung! Viele fremde Sprachen, Geschäfte und Kaffeehäuser geöffnet und gut besucht; auch die Gastronomie im Schottenhof hat wieder reichlich Kundschaft und bietet Speisen und Getränke in der gewohnten Qualität.

Man sollte auch etwas hinter diese Kulisse sehen: auf die zu hohe Zahl der Arbeitsuchenden, auf die Sorgenfalten der kleinen Händler und Unternehmer und auf die Meldungen. Da und dort gibt es wieder einen „Verdachtsfall“, ganz zu schweigen von den Meldungen, die wir aus Afrika oder Amerika erhalten – es ist eben noch nicht alles wieder in Ordnung.

Und doch haben wir alle die große Sehnsucht in uns, dass der Schock der letzten Monate sich nicht wiederholen möge. Alles in uns drängt doch nach Freiheit, wir wünschen ein Leben ohne Beschränkungen, wir wollen wieder ganz „normal“ Liturgie feiern, mit Friedensgruß und Kelchkommunion, einander die Hand geben oder umarmen, wenn wir einander begegnen. Ich bin sicher: Dies alles wird uns wieder geschenkt werden!
Jetzt aber: Wie wäre es mit ein wenig Dankbarkeit dafür, dass wir sogar durch das Übel lernen können; dass wir behütet waren; dass uns bewusst geworden ist, wie wichtig Gemeinschaft und Freundschaft für uns sind.
Dann müssten sich eigentlich auch die Kirchen wieder füllen bei den Gottesdiensten oder während des Tages zum stillen Gebet. Auch dies gehört zur zurückkehrenden Normalität,

meint Ihr Abt Johannes

“Der Stein ist weggerollt”

Ostern ist eine Zeit der Öffnung: Der Stein, der das Grab Jesu verschloss, ist weggewälzt, der Herr tritt in den Kreis der Jünger, obwohl die Türen verschlossen waren, er öffnet seine Seite, um Thomas zum Glauben zu verhelfen: keine Rede von Abstand!

Vielleicht ist es deswegen auch so schwer zu ertragen, dass das heurige Ostern von der verordneten Quarantäne geprägt und Distanz zum obersten Motto erhoben wurde. All diese Maßnahmen sind sinnvoll und retten Leben, aber sie sind geradezu eine Negation der Osterbotschaft.

Jetzt, Mitte Mai, bahnen sich Lockerungen an. Ehrlich gesagt: Wir haben schon sehr darauf gewartet. Obwohl manche Sicherheitsvorkehrungen uns daran erinnern: Ganz „normal“ ist das auch noch nicht. Und dann gibt es noch die Sorge, eine neuerliche Infektionswelle könnte im Herbst Belastungen bringen.

Jetzt gibt es aber schon die Möglichkeit, die Oster-Erfahrungen nachzuholen: im gemeinsamen Gottesdienst, in der Pflege des Miteinander – der Stein ist weggerollt! Es mögen sich bald auch Perspektiven der Normalisierung ergeben für die großen und kleinen Betriebe, die vielen Arbeitslosen und all jene, deren Leben nach wie vor mehr oder weniger erheblich eingeschränkt ist.

Schaffen wir das?

Ein herzlicher Gruß aus dem Kloster…

In diesen Tagen sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß aus dem Kloster und hoffe, dass Sie, ihre Angehörigen und Freunde gesund sind. Unsere Brüder sind wohlauf, wenngleich uns die Einschränkungen, die ja sinnvoll sind, betroffen machen: Unsere Gottesdienste können wir augenblicklich nur privat feiern und die für eine benediktinische Gemeinschaft so wichtige Aufgabe wie die Aufnahme von Gästen ist in diesen Tagen und vermutlich Wochen nicht möglich. So versuchen wir auf anderen Wegen mit den Menschen in Kontakt zu bleiben und überlegen dazu einiges Konkretes.

Eine Möglichkeit dazu sind die auf unserer Homepage veröffentlichten Bilder und Texte, die ein wenig Mut machen wollen. Schauen Sie vorbei, es ist immer etwas Neues dabei.

Niemand weiß, wie lange die Einschränkungen andauern werden, wir müssen uns aber darauf einstellen, dass sie auch zu Ostern gelten – eine beklemmende Vorstellung.

Unseren Gottesdienst halten wir zu den üblichen Zeiten – nur die Konventmesse für den Sonntag ist nicht am Vorabend, sondern am Sonntag selbst, zur Zeit des Hauptgottesdienst um 9.30 Uhr. Sie sollen wissen, dass Sie immer „dabei“ sind, wenn die Mönche in der Kirche beten! Die Plätze in den Bänken müssen zwar leer bleiben, aber dann und wann schaue ich und denke: Da sitzt doch immer die Frau …, der Herr … – und so sind Sie in einer gewissen Weise doch „da“! Da die Kraft des Gebetes bleibt, möchte ich allen danken, die in diesen Tagen für uns beten. Auch dies trägt und hilft uns. Danken will ich auch allen treuen Mitarbeitern; einer von ihnen hat mich gestern angesprochen und gesagt: Wir machen das schon! Eine schöne Ermunterung, nicht?

Diesen Satz möchte ich ihnen weitergeben. Mögen auch Sie nicht mutlos werden, sondern Hoffnung schöpfen und die Frage des Herrn, wer denn Lust hat am Leben, mit einem frischen „Ja, ich!“ beantworten, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Die Fastenzeit

Die Benediktsregel sieht in den Vierzig Tagen vor Ostern eine besondere Gelegenheit, „auf das Leben zu achten“, es zu hüten, sorgfältig damit umzugehen und ehrlich wahrzunehmen, was „ist“ und was noch nötig wäre, damit mein und unser Leben als Gemeinschaft mehr zum Eigentlichen hinführt. Benedikts Thema für die Fastenzeit sind die Fragen: Wo stehe ich? und Was muss ich tun oder lassen – und Was müssen wir tun?

Diesem Ziel dienen die Fastenübungen, die sowohl ein „Mehr“ als auch ein „Weniger“ umfassen: über die gewohnten Pflichten unseres Dienstes hinaus einerseits und der Verzicht bei Essen und Trinken, Geschwätz und Albernheiten anderseits. Dahinter steht die Frage, ob ich mich in dieser Welt bereits so gut eingerichtet habe, dass ich nichts weiter erwarte.

Denn das eigentliche Ziel ist die Paschafeier, womit nicht nur das jeweils nächste Osterfest gemeint ist, sondern die Begegnung mit dem lebendigen Christus. Diese darf der Mönch, und nicht nur er, sondern jeder und jede Getaufte, mit freudiger Sehnsucht erwarten.

Gebet der Kerze

In einer Kirche im Elsass habe ich in der Kerzenkapelle einen Hinweis gelesen, der mich bewegt hat:

Ich weiß nicht, wie das geht: Beten.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Ich habe nicht viel Zeit.

Also, Herr, soll dieses Licht, das ich vor dir entzünde,
mein Gebet sein:
dass seine leuchtende Flamme
meine Freuden und Leiden vor dich trage;
dass seine tröstliche Flamme auch mein Leben hell mache
durch deine treue Gegenwart.

Wenn wir einmal keine Worte finden oder wenn es ganz rasch gehen muss,
mag uns das Anzünden einer Kerze spüren lassen, dass Gott unser Leben teilt
und die Wärme des Lichts uns etwas von seiner Zärtlichkeit spüren lässt.

Adventzeit

„Wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich es anders machen!“ – Zu einem solchen reset haben wir nicht so oft Gelegenheit. Wir bauen auf Verbautem weiter und versuchen dem Ganzen so recht und schlecht die richtige Form zu geben, ähnlich einem alten Baum. dem Wind und Wetter sichtbar zugesetzt haben, der aber weiter lebt.

In der Bibel finden sich viele Bilder von Bäumen. Sehr schön ist jenes, in dem davon gesprochen wird, dass ein Baum an „zuverlässigem“ Wasser steht, also immer der Quelle nahe ist, die ihn leben lässt. In einer sehr schwierigen Stunde seines Lebens klagt der Prophet Jeremia Gott an: „Wie ein versiegender Bach bist du mir geworden.“ Die Antwort Gottes gibt Jeremia Mut und eröffnet einen Weg aus seiner Misere.

Ein weiteres Bild stammt aus dem Lukasevangelium: Ein Feigenbaum trägt schon seit drei Jahren keine Früchte und soll nach dem Wunsch des Besitzers gerodet werden. Der zuständige Winzer aber erreicht einen Aufschub: „Lass ihn in diesem Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!“ (Lk 13, 8).

Diese Bilder sprechen von der Geduld und der Fürsorge Gottes für sein Volk. Sie sind trostreich, weil sie uns Gottes Haltung zu uns nahebringen: Ich lasse dich wachsen – und den Neuanfang setze ich für dich. Er hat einen Namen: Jesus von Nazaret; auf sein Geburtsfest gehen wir in den Wochen des Advents zu.

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Benediktinerabtei
“Unserer Lieben Frau zu den Schotten”
Freyung 6, 1010 Wien

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