Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Berichte Kultur

Das neue Geläut der Schottenkirche

Das neue Geläut der Schottenkirche

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schottenkirche ihrer Glocken beraubt. Als 1957 drei neue Glocken aufgezogen wurden, war es ein Zeichen von Hoffnung und Zuversicht. Es mindert ihre Bedeutung nicht, wenn man sagt, dass sie auch Schwächen hatten. Die große Glocke wurde 1957 so groß dimensioniert, dass sie nur durch eine Hilfskonstruktion (durch ein extrem gekröpftes Joch) geläutet werden konnte. Man sparte beim Metall: Die Glockenbronze enthielt nur 17,7% Zinn (statt 22%).

Ein großer Nachteil der Glocken bestand schließlich darin, dass sie musikalisch nicht aufeinander abgestimmt waren. Sie wurden deshalb nur einzeln geläutet. Mit einem Geläut (das heißt mit einer aufeinander abgestimmten Gruppe von Glocken) kann durch Abstufungen und Kombinationen differenziert geläutet werden. An Festen wird beispielsweise anders geläutet als in der Fastenzeit.

Ein wichtiges Anliegen des aktuellen Projekts war auch die Sanierung des Glockenstuhls. Dieser hat eine gute, barocke Substanz, die aber im Lauf der Zeit einiges mitgemacht hat. Um eine möglichst große Glocke unterzubringen, hat man seinerzeit einen Teil des Glockenstuhls entfernt. Dieser Eingriff, der den Stuhl statisch und dynamisch geschwächt hat, wurde rückgebaut. Die neuen Glocken sind in ihren Dimensionen auf den historischen Glockenstuhl abgestimmt. – Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch, dass die neuen Glocken auf Holzjochen hängen. Die alten hatten Stahljoche. Die Joche aus Holz haben bessere akustische Eigenschaften und eine ungleich längere Haltbarkeit.

Neues Geläut aus 5 Glocken
Von den drei alten Glocken blieb nur die kleinste als Totenglocke im Turm. Die beiden anderen wurden ihres Materialwerts wegen eingeschmolzen: Sie wogen immerhin 4/5 des Gewichts des neuen Geläuts. Dieses besteht aus fünf Glocken. Die folgende Liste nennt zuerst den Schlagton, dann das Gewicht:

  1. c´          2400 kg
  2. e´          1180 kg
  3. g´            710 kg
  4. a´            520 kg
  5. c´´           340 kg

Glocke 1 ist der Dreifaltigkeit geweiht.
Inschrift: DEO TRINO ET UNI CREATORI REDEMPTORI SANCTIFICATORI ABBATE NICOLAO REGNANTE MMXXII
(“Dem dreieinen Gott – dem Schöpfer, dem Erlöser und dem Heilig-Machenden. Unter Abt Nikolaus 2022“)

Glocke 2 ist den beiden Kirchenpatronen geweiht – der Gottesmutter Maria und dem hl. Gregor.
Inschrift: B.M.V. AD SCOTOS ET SCTE GREGORI HUNC LOCUM SANCTUM PROTEGITE
(„Selige Jungfrau Maria zu den Schotten und hl. Gregor, schützt diesen heiligen Ort“)

Glocke 3 ist dem hl. Benedikt geweiht.
Inschrift: SCTE PATER BENEDICTE CUSTODI GREGEM TUAM EAMQUE IN BONO CONFIRMA
(“Heiliger Vater Benedikt, behüte Deine Herde und stärke sie im Guten“)

Glocke 4 ist der hl. Margarethe geweiht (ein Wunsch des Donators).
Inschrift: SCTA MARGARETA ADIUTRIX O.P.N.
(„Heilige Schutzhelferin Margareta bitte für uns.“)

Glocke 5 ist dem Apostel Jakobus maior geweiht (eine Reminiszenz an die frühe Geschichte unseres Klosters, das durch irische Mönche aus St. Jakob in Regensburg besiedelt wurde).
Inschrift: SCTE JACOBE PEREGRINORUM PATRONE O.P.N.
(“Heiliger Jakob, Patron der Pilger, bitte für uns“)

Die Tonfolge c-e-g-a-c wird in Fachkreisen Salve-Regina-Motiv genannt, weil es dem Anfang der lateinischen Antiphon Salve regina mater misericordiae nachgebildet ist. Das Motiv ist eine Reverenz an die Gottesmutter, der unsere Kirche geweiht ist.

Das Geläut wurde am 25. März 2022 in der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen (Baden) gegossen. Bachert gießt in der traditionellen, seit 800 Jahren bewährten Technik. Sie schien uns klanglich und technisch die besten Ergebnisse zu erzielen.

Glockenzier von Südtiroler Künstler
Die sog. Glockenzier entwarf der Südtiroler Künstler Lois Anvidalfarei. Anvidalfarei transponierte den Text des Salve Regina in graphische Zeichen, die in ihrem Auf und Ab dem Sprechrhythmus folgen. Dabei verteilte Anvidalfarei das Salve Regina auf die Glocken 5 bis 2 (bei 5 beginnend, bei 2 endend). Die Glocke 1 (vom Patrozinium her die „Gottglocke“) versah er mit einer einfachen, umlaufenden Linie. Dieser Unterscheidung liegt folgende Überlegung zugrunde: Die Glocken 2 bis 5 sind Heiligen (mithin Menschen) geweiht. Ihre graphischen Zeichen entsprechen der Vielfalt des Irdischen. Die Linie ohne Anfang und Ende steht hingegen für die Transzendenz des dreieinen Gottes. Auf der „Gottglocke“ ist die Vielfalt der Einheit gewichen, die Veränderlichkeit dem Ewigen.

Die durchgehende Linie symbolisiert auch das schweigende Gebet, die staunende Gottesschau. Die variablen Zeichen der kleineren Glocken stehen dann für das Gebet mit Worten. Diese Interpretation passt gut zu einer wichtigen Funktion von Glocken: Glocken rufen zum Gebet.

Anvidalfareis Zeichen sind mittelalterlichen Neumen nicht unähnlich. Neumen sind eine seit dem 9. Jahrhundert bezeugte Notation des gregorianischen Chorals. Sie bilden die Handbewegungen nach, mit denen der Kantor dem Chor (der sog. schola) den Melodieverlauf anzeigt. Anvidalfarei kam zu seinen Chiffren in der Tat dadurch, dass er mit der Hand den Sprechrhythmus des Salve Regina in der Luft nachzog.

Spende ermöglichte neue Glocken
Im Konvent wurde seit längerem die Anschaffung eines Geläuts erwogen. Die Umsetzung des Projekts wurde durch eine Donation ermöglicht, die nach dem Willen des Gebers für Glocken verwendet werden sollte. Eine weitere Hilfe war eine Bausteinaktion, bei der 31 Abzüge einer Radierung von Lois Anvidalfarei verkauft wurden. Die Radierung zeigt einen Ausschnitt der Jakobusglocke (der Glocke 5), und zwar jenes Segment, auf dem in Anvidalfareis Kurzschrift die Worte et spes nostra salve zu lesen sind. Maria wird als Hoffnung angerufen. Dem Künstler und uns lag diese Passage besonders am Herzen.
Den großherzigen Spendern sei im Namen des Konvents herzlich gedankt!

Glocken sind Kommunikatoren. Sie rufen zum Gottesdienst und begleiten die heiligsten liturgischen Handlungen. An der Schnittstelle von außen und innen – von Kloster und öffentlichem Raum – halten sie die Transzendenz in Erinnerung.

P. Augustinus Zeman OSB

Foto 1: P. Christoph Merth
Fotos 2+3: Nikolaus Binder
Fotos 4-15: P. Christoph Merth

 

Erfahren Sie noch mehr über die neuen Glocken der Schottenkirche in einem Beitrag von radio klassik Stephansdom.

Das Porträt des Abtes Heinrich Ferenczy in der Äbtegalerie des Schottenstifts

Das Porträt des Abtes Heinrich Ferenczy in der Äbtegalerie des Schottenstifts

Zu den unbekannten Räumen des Schottenstifts zählt der Kapitelsaal. In diesem strikt monastischen Raum befindet sich die eindrucksvolle Äbtegalerie des Klosters. Wir nehmen die Anbringung eines neues Porträts (nämlich des Abtes Heinrich Ferenczy) zum Anlass, über die Galerie und über das neue Porträt zu berichten. Klicken Sie hier.

Gedenktafel für Johann Jakob von Marinoni

Gedenktafel für Johann Jakob von Marinoni

In der Krypta der Schottenkirche ist ein bedeutender Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts begraben: Johann Jakob von Marinoni. Dem Gedächtnis dieses interessanten Mannes wurde nun ein Stein gesetzt. Lesen Sie hier weiter …

Zeitgenössische Kunst in der Krypta: Das Memorial for the people of the cross

Zeitgenössische Kunst in der Krypta:
Das Memorial for the people of the cross

Am 11. November 2016 wurde in der Krypta der Schottenkirche ein neues Ausstattungsstück dem Publikum übergeben: das Memorial for the people of the cross des zeitgenössischen Künstlers Oswald Putzer. Das Memorial erinnert an 21 koptische Christen, die Anfang des Jahres 2015 von islamistischen Terroristen hingerichtet wurden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Gedenktafel für Theodora Komnene, Herzogin von Österreich

Gedenktafel für Theodora Komnene, Herzogin von Österreich

Am 30. September 2016 wurde in der Krypta der Schottenkirche eine Gedenktafel für Theodora Komnene eingeweiht und einem zahlreich erschienenen Publikum vorgestellt. Theodora entstammte dem byzantinischen Kaiserhaus. Als Frau unseres Stifters Heinrich II. war sie die erste Herzogin von Österreich. Lesen Sie hier weiter…

Kontakt

Tel.: +43 1 534 98
Fax: +43 1 534 98 105
E-Mail: schotten@schottenstift.at

Adresse

Schottenstift
Benediktinerabtei
„Unserer Lieben Frau zu den Schotten“
Freyung 6, 1010 Wien

Schottenstift