Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Die Grablege des Grafen Ernst Rüdiger von Starhemberg.
Ein Bericht zum Abschluss der Restaurierung

Ernst Rüdiger von Starhemberg wurde auf eigenen Wunsch in der Krypta der Schottenkirche bestattet. Die Familie bereitete ihm allerdings kein Erdbegräbnis (wie er es eigentlich wollte), sondern bestattete ihn in einem ehernen Sarg, der in der Krypta sichtbar aufgestellt wurde.

Im Lauf der Zeit hat der Sarg innerhalb der Krypta drei Mal seinen Platz gewechselt. Die heutige Aufstellung ist ein Werk des Architekten Robert Kramreiter. Kramreiter erhielt im Jahr 1958 von Abt Hermann Peichl den Auftrag zur Neugestaltung der Krypta. Ein Jahr später begann die Ausführung, 1960 wurde die umgestaltete Krypta eingeweiht.

Vor dieser Neugestaltung stand der Sarg in der Nische unterhalb des Gregoriusaltars (dort, wo heute die Konventgruft eingerichtet ist). Kramreiter verlegte die Grablege an die Westwand der Krypta. Er stellte den Sarg auf einen Sockel aus Salzburger Forellenmarmor und umgab ihn mit einem Gitter. Die Frontseite des Gitters ist das Verschlussgitter der Nische, in der der Sarg davor gestanden hatte. Die Seitenteile ließ Kramreiter neu anfertigen.

Präsentiert auf einem Sockel, umgeben mit einem Gitter, ist der Sarg Teil einer Inszenierung, in die Kramreiter die Krypta als ganze einbezogen hat. Das Starhemberggrab im Westen ist nämlich der Gegenpol zur Stiftergruft im Osten. Hier der Verteidiger, dort der Gründer, und in der Mitte der gottesdienstliche Raum.

Im Zuge der aktuellen Restaurierung wurde der äußere, metallene Sarg geöffnet. Zum Vorschein kam ein hölzerner Sarg, in dem noch ein dritter, wieder hölzerner Sarg stand. In ihm ruhen die Gebeine des Verstorbenen. Wir haben über die Sargöffnungen bereits berichtet: https://www.schotten.wien/die-saerge-des-grafen-starhemberg/

Der Metallsarg besteht aus einem eisernen Gerüst, das mit Kupferplatten verkleidet wurde. Auf dem Deckel befindet sich eine sogenannte Grabauthentik – eine Schriftplatte, die darüber Auskunft gibt, wer in dem Sarg bestattet ist. Sie ist bei Starhemberg besonders sorgfältig ausgeführt. Der Text ist auffallend lang, und die Platte ist vergoldet.

Auf den Seitenwänden des Sargs sind Totenköpfe und Schlangen dargestellt. Die Schlangen haben in diesem Fall wohl dieselbe Bedeutung wie die Totenköpfe: Sie sind Todessymbole. Sie verweisen auf die Schlange des Sündenfalls, durch die in der biblischen Erzählung der Tod in die Welt gekommen ist. Die Schlangen und Totenköpfe sind aus dem Kupferblech herausgetrieben. In handwerklicher Tradition ausgeführt, sind sie von großer künstlerischer Kraft. Ihre lapidaren Formen erinnern an Bildwerke des 20. Jahrhunderts.

Der Sarg ist in seiner Substanz gut erhalten. Es gibt keine Spuren von Verätzung oder Verunreinigung; die Verwesungssäfte sind also nicht bis zum Metallsarg durchgedrungen. Durch ihr eigenes Gewicht gezogen, hingen die Kupferplatten am Deckel des Sarges vor der Restaurierung durch. Diese Verformung konnte durch vorsichtiges Zurückdrücken behoben werden.

Die Platten haben eine schöne, gewachsene Patina, die bei der Restaurierung nicht angetastet wurde. Die Oberflächen wurden lediglich gereinigt und von punktuellen Korrosionen befreit.

Rekonstruiert wurden die Füße des Metallsargs. Derer gab es zuletzt noch vier; ursprünglich waren es sechs. Die vier vorhandenen Füße passten stilistisch nicht zum Sarg. Sie stammten wohl von 1901, als der Sarg in die Nische unter dem Gregoriusaltar gestellt wurde. Die Rekonstruktion orientierte sich an einer Grafik von 1877, die die Form der barocken Füße überliefern dürfte.

Das heutige Gitter ist wie gesagt ein mixtum compositum. Die Front datiert von 1901, die Seitenteile von 1959. Das Frontgitter wurde von seinem Hersteller mit einem Schlagstempel innenseitig signiert und datiert. Es stammt demnach von einem Schlossermeister namens August Čepl. Čepl, passionierter Bergsteiger, erfand 1903 einen „Kletterapparat“ – das heißt ein Sicherungssystem, das nicht nur das Klettern, sondern auch das Arbeiten an Fels- und Hauswänden erleichterte. Čepl legte mit seiner Hilfe eine Reihe von Steigen und Leitern im Raxgebiet an. Bis heute ist eine Wand auf der Rax nach ihm benannt.

Persönlich scheint Čepl ein ausgeprägter Kauz gewesen sein. In Bergsteigerkreisen galt er als der „narrische Čepl“. Er starb unverheiratet in Wien am 8. Jänner des Jahres 1917.

Das Gitter der Grablege ist eine originelle Arbeit, die in Čepls Profil zu passen scheint. In den Trieben und Ranken wirkt die Eurythmie des Jugendstils. Die halbkugeligen Zierbesätze am oberen Abschluss (links und rechts des Namens) und die Kerzenhalter wirken hingegen auf diffuse Weise mittelalterlich.

Ein vor der Dislozierung von 1959 aufgenommenes Foto beweist, dass zumindest das Wappen ursprünglich farbig gefasst war. (Die Inschrift wurde auf dem Foto zusätzlich durch eine Retusche hervorgehoben.) 1959 scheint man sämtliche Fassungsschichten entfernt zu haben. Als das Gitter im Vorfeld der jetzigen Restaurierung befundet wurde, wurde unter der Sichtfassung nur eine weitere, durchgehend schwarze Fassung festgestellt. Sie stammte wahrscheinlich aus dem Jahr 1959.

Wir entschieden uns im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt, Teile des Gitters farbig zu fassen. Für das Wappen war das nahezu geboten: Ein Wappen ohne Farbe ist eine halbe Sache. Die heraldische Farbe Gold haben wir durch ockergelbe Farbe dargestellt. Das schien uns für den Ort (eine Unterkirche) angemessener als Blattgold.

Die jetzige Kampagne hatte auch zum Ziel, das Umfeld der Grablege in einen würdigen Zustand zu versetzen. Vor allem die Wand hinter dem Sarg und die nördliche Seitenwand sahen fürchterlich aus. Die Oberflächenschäden reichten bis zum Ansatz des Gewölbes. Der Putz war stellenweise zur Gänze abgefallen. Die Ursache der Misere lag in der Zusammensetzung des 1959 aufgetragenen Verputzes. Der Grobputz enthielt Zement, der die Diffusion verhinderte und die Feuchtigkeit absperrte. Es blieb nichts anderes übrig, als den Putz an der West- und an der Nordwand abzuschlagen und einen neuen, mineralischen Putz aufzutragen. Die weiße Fassung ist Kalk.

Mit den Jahren werden im Sockelbereich wieder Schäden auftreten. Das ist unvermeidlich: Die Wände stehen in der Erde, sie werden immer Feuchtigkeit anziehen. Durch den mineralischen Putz kann aber die Feuchtigkeit verdunsten, sodass es länger dauern wird, bis Schäden sichtbar werden. Zudem haben wir im Zuge der Restaurierung das Klimakonzept der Krypta überarbeitet. Es handelt sich um ein Lowtech-Konzept, das mit einer simplen Zufuhr von Außenluft arbeitet. Entscheidend ist, dass die Luftzufuhr nur dann erfolgt, wenn die Außenluft nicht wesentlich wärmer ist als die Krypta selbst. Die Fenster der Krypta müssen in diesem Konzept prinzipiell geschlossen bleiben.

Als die Restaurierung vorbereitet wurde, wussten wir nicht, was uns beim Abschlagen des Putzes erwarten würde. Wir wussten, dass in den Wänden romanische Werkteile sekundär verbaut wurden. Es war denkbar, dass auch spektakuläre Funde zu Tage traten. Das war aber nicht der Fall. Die Mauern bestehen zum größten Teil aus einfachen romanischen Quadern. Die Entscheidung, die Wände wieder zu verputzen, ist deshalb nicht schwergefallen.

Die Epitaphien blieben während der Arbeiten mit einer Ausnahme an den Wänden. Die Ausnahme war das Epitaph der Maria Ernestina Gräfin Hamilton († 17. Juli 1724). Das Hamilton-Epitaph besteht aus einem Corpus aus Sandstein, der mit Stuckmarmor überzogen wurde. Die vor der Restaurierung ungünstigen klimatischen Bedingungen der Krypta hatten den Stuckmarmor stark angegriffen. Er wurde gefestigt und an einigen Stellen auch rekonstruiert.

Mit dem Epitaph der Gräfin Hamilton lässt sich unser Bericht gut abschließen. Maria Ernestina war eine geborene Starhemberg. Sie war Tochter des Franz Ottokar, eines Halbbruders des Ernst Rüdiger von Starhemberg. Der Held von 1683 war also ihr Onkel. Maria Ernestina heiratete in die schottische Familie der Grafen Hamilton. In ihrer Person sind „Starhemberg“ und „Schotten“ also auf eine unvermutet neue Weise verbunden.

P. Augustinus Zeman


Literatur zu August Čepl:
Der „narrische“ Čepl. August Čepl (1858-1917),
in: Land der Berge, Heft 5, 1993, S. 50 f.

zur genealogischen Verortung der Maria Ernestina von Hamilton: https://www.geni.com/people/Maria-Ernestina-Josepha-von-Hamilton/6000000083357871535

Fotos: 1: Schottenstift, Archiv. – 2-11, 13, 14: Schottenstift, P. Christoph Merth. – 12: Thomas Mahr.

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