Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Gotische Holzskulpturen der Apostel Petrus und Paulus

Die Skulpturen der Apostel Petrus und Paulus entstanden um 1510/15 in einer unbekannten schwäbischen Werkstatt. Ursprünglich standen die Figuren wahrscheinlich im Schrein eines Flügelaltars. Daraus erklärt sich auch ihre geringe Tiefe: Im Schrein waren nur die Vorderseiten sichtbar.

Die beiden Apostelfürsten fristeten ein unbeachtetes Dasein in einem Kämmerchen des Klosters, ehe sie vor einigen Jahren restauriert und im Museum aufgestellt wurden. Die Skulpturen bestehen aus Lindenholz, das auf der Rückseite ausgehöhlt wurde, um Spannungsrisse zu vermeiden. Die künstlerische Wirkung von Holzskulpturen beruht nicht zuletzt auf ihrer Bemalung. In den meisten Fällen sind die ursprünglichen Fassungen freilich nicht erhalten oder nicht sichtbar, weil sie in späterer Zeit übermalt wurden. So war es auch bei unseren Aposteln. Die Gewänder der Apostel wurden bis zu drei Mal überfasst, wobei die letzte Fassung wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammt. Nur die Köpfe und Hände blieben von den Überfassungen verschont. Hier ist die qualitätsvolle mittelalterliche Fassung sichtbar.

Die beiden Apostelfiguren repräsentieren gotische Holzschnitzerei auf höchstem Niveau. Ungemein charaktervoll sind die Gesichter. Während das Gesicht des Petrus von bärbeißiger Energie erfüllt ist, ist das Antlitz des Paulus (des Schriftgelehrten!) beseelt und fein. Wichtige Ausdrucksträger sind auch die sensiblen Hände. In den sorgfältig gestalteten Gewändern brachte der Künstler nach gotischer Art Würde und Heiligkeit zum Ausdruck.

P. Augustinus Zeman

Literatur: Ulrike Palm, Zwischen gewachsenem Zustand und ästhetischem Empfinden. Die Restaurierung eines gotischen Skulpturenpaars aus dem Schottenstift, in: Das Münster, LXX, 2017, S. 336-342. – Georg Zeman, Zwei schwäbische Apostelstatuen des frühen 16. Jahrhunderts im Wiener Schottenstift, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege, LXXIV, 2020, S. 158-167.

 

 

 

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