Im Archiv des Schottenstiftes wurde Ende 2011 eine Originalurkunde Kaiser Friedrichs II. (1212–1250) gefunden. Es handelt sich dabei um ein Stück, das 1889 in Paris versteigert wurde und dessen Verbleib seitdem unbekannt war. Die Pergamenturkunde ist in einem guten Erhaltungszustand; sie weist lediglich einige geringfügige Feuchtigkeitsflecken auf, zudem ist die rechte obere Ecke ausgerissen. Die äußere Form der Urkunde ist recht schlicht und entspricht der einfachen Ausfertigung der staufischen Diplome.

Das wiedergefundene Stück wurde im November 1250 im apulischen Foggia ausgestellt und ist damit die jüngste bekannte im Original erhaltene Urkunde Friedrichs II., der am 13. Dezember 1250 im Alter von 55 Jahren in Castel Fiorentino, etwa 30 Kilometer von Foggia entfernt, an einer ruhrartigen Krankheit verstarb. Sie richtet sich an den Markgrafen Uberto Pallavicini; dieser wird ermächtigt, all jenen aus Piacenza und seinem eigenen Gebiet, die sich der kaiserlichen Gnade unterwerfen, Sicherheit und die Rücknahme aller Verurteilungen zu gewähren. Die Urkunde hat also rein gar nichts mit dem Schottenstift zu tun!

Uberto Pallavicini, dessen Familie ihre größten Besitzungen im Gebiet zwischen Cremona, Piacenza und Parma hatte, war ein bedeutender Heerführer und hatte verschiedene politische Funktionen inne. 1249 wurde er von Kaiser Friedrich II. mit dem Generalvikariat vom Fluss Lambro abwärts betraut, das die meisten Teile der östlichen Lombardei umfasste. Im August 1250 konnte er einen wichtigen militärischen Sieg über die Stadt Parma, die anti-kaiserlich eingestellt war (Guelfen), erringen.

In Piacenza – bisher ebenfalls eine guelfische Kommune – vollzog sich nach innerstädtischen Konflikten zwischen den regierenden Adelsfamilien auf der einen und den Kaufleuten und Handwerkern auf der anderen Seite ab dem Sommer 1250 eine Hinwendung zum kaiserlichen Lager (Ghibellinen). In dieser Situation stellte Kaiser Friedrich II. im November 1250 seine Urkunde für Uberto Pallavicini aus: es galt, die allenfalls unentschlossenen Piacentiner dauerhaft ins Boot zu holen. Zwar verstarb der Kaiser bereits kurz darauf, trotzdem gelang es Uberto im März 1251, ein Bündnis mit Piacenza zu initiieren.

Wie und wann die nun wiederaufgefundene Urkunde zu den Schotten gelangte, ist unklar und wird so bald auch nicht zu eruieren sein. Dass die Urkunde wohl auch schon in früheren Zeiten in ihrer Bedeutung etwas unterschätzt wurde, mag der neuzeitliche italienische Rückvermerk belegen: Als Aussteller wird ein Francesco imperatore (statt Frederico) genannt!

Die Urkunde wurde nun im Archivkatalog verzeichnet und in die chronologische Urkundenreihe des Schottenstiftes aufgenommen. Eine kurze Miszelle mit weiteren Informationen erscheint im zweiten Halbjahr 2012 in den Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung: Maximilian Alexander Trofaier, Eine wiederaufgefundene Urkunde Friedrichs II. für Uberto Pallavicini vom November 1250, in: MIÖG 120 (2012) (im Druck).

Mag. Maximilian Alexander Trofaier, MA

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