Brief von Schwester Clara (März 2016)

Lieber P. NIkolaus, liebe Gläubige des Schottenstifts !

Inzwischen sind 6 Monate vergangen, seit ich vom Urlaub zurück bin. Schade, dass ich Euch nicht besuchen konnte.Aber ich wurde  14 Tage vor meinem Heimaturlaub Bandscheiben operiert und ich konnt in Österreich zu Fuss nicht bis zum Bahnhof gehen.

Hier traf ich eine Menge von Problemen an. Momentan ist es Mode, jeden Tag eine Menge von Leuten einzusperren, ganz gleich ob sie wirklich etwas angestellt haben oder ob sie nur unschuldig verglimpft werden. Beim Papstbesuch waren 5.000 im Gefängnis. Laut Zeitungsbericht sind es inzwischen fast 6.000. Eines unserer Mädchen, die bereits auf der Universität ist, wollten sie einsperren, weil eine Andere sie beschuldigte, sie hätte ihr das Handy gestohlen. Es blieb uns gar nichts Anderes übrig, als das Handy zu bezahlen sonst wäre sie eingesperrt worden. Weder ich, noch die Kinder haben ein Handy. Wir haben nur ein Telefon mit Festnetzanschluss. Um jemanden aus dem Gefängnis herauszubringen, das ist ein Kreuzweg. Ohne Geld rührt niemand auch nur einen Finger.

Unser Zahnarzt war  1 Monat im Gefängnis weil er einen Buben mit 15 Jahren von einer Nachbarfamilie von seinem Dorf von ihm zu Hause für ein paar Tage aufgenommen hat. Zu Hause haben sie ihn hinausgeschmissen und die Tante zeigte den Zahnarzt an, dass er ihn aufgenommen hat. Sichtlich wollten sie dass er auf der Strasse leben müsste.

Maria Elena ist seit 8 Monaten im Gefängnis obwohl sie geistig behindert ist. Sie war 6 Jahre bei uns und mit 19 ging sie weg. Ihre zwei jüngeren Schwestern mit 13 und 15 Jahren sind bei uns. Die Mutter lebte im Abwasserkanal und konsumierte in der Schwangerschaft Kokain, so dass sie Alle etwas geistig behindert sind.. Maria Elena hat 2 Kinder, eines mit zwei Monaten und eines mit 2 Jahren. Die Männer, die ihr die Kinder angehängt haben, sind weg. Wo sollte man diese in einer fast 3 Millionenstadt finden. Die Mutter ist gestorben und Maria Elena und ihre Kinder hatten nichts zu essen. So schenkte sie die Kinder her, die total unterernährt sind. Nun ist sie im Gefängnis, weil sie die Kinder laut Gesetz nicht herschenken hätte dürfen. Ich habe nun eine gute Rechtsanwältin und hoffe, dass es ihr gelingt, sie herauszukriegen aus dem Gefängnis. Wir hofften sehr, dass sie Weihnachten breits mit uns feiern könnte, sie hat ja auch nichts, wo sie sonst wohnen könnte. Aber leider ist es uns noch nicht gelungen, sie herauszubringen.

Im Heim bekam ich zwei neue Mädchen. Yovanna und Keli. Die Mutter ist Alleinerzieherin. Ein von ihr bekannter Mann, er ist Pensionist, holte immer die beiden Mädchen ab, um mit ihnen auf die Bank zu gehen zum kassieren seiner Rente. Um 11 Uhr nachts brachte er immer die beiden Mädchen zurück, nachdem er sie vergewaltigt hatte und die Mutter erhielt einen Teil seiner Rente. Nun hatten es die Mädchen satt, immer von diesem Mann vergewaltigt zu werden und sagten es in der Schule der Lehrerin. Diese zeigte es an. Nun sind sie beide, dieser Mann und die Mutter eingesperrt.

Die beiden Mädchen kamen zu uns, um endlich in Frieden leben zu dürfen. Nicht zuletzt Dank Eurer Hilfe. Jeder Euro von der Heimat bringt ein kleines Stück Glück für unsere Kinder.

Letzte Woche brachten mir die Behörden um Mitternacht ein Mädchen. Sie ist aus La Paz. Der Vater ist gestorben und sie hatten nichts zu esssen. Sie reiste 22 Stunden, fast 1.000 km  mit dem Autobus, um in Santa Cruz Arbeit zu finden. Eine Frau gab ihr Arbeit und verkaufte sie zur Prostitution. Schliesslich gelang es ihr, nachts zu fliehen und zur Polizei zu kommen. Ja, wie Ihr seht, viel Hilfe ist notwendig.

Die ersten Jännerwochen, da sind hier Sommerferien, gingen unsere Kinder auf Ferienlager. Mit der Hoffnung, nun endlich Post erledigen zu können, riefen sie mich von der Behörde an, um ein 15 jähriges Mädchen mit einem Baby aufzunehmen. Es war wohl Maria mit dem Jesuskind.

Morgen wird eines unserer Mädchen, sie ist 15 Jahre alt, getauft, nach 1 Jahr Vorbereitung.

Ein ganz, ganz inniges Vergelt’s Gott für die für uns unerlässliche so grosse und wertvolle finanzielle Unterstützung von 4.800 Euro.

Möge es Euch der Herr reichlichst vergelten.

Mit dankbaren Missionsgrüssen aus Bolivien

 

Sr. Clara Erlbacher

Kinderheim Maria Jacinta