Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Vitrine mit hl. Sebastian

Die Vitrine mit der Silberstatuette des hl. Sebastian stammt aus dem Besitz der Sebastiani-Bruderschaft. Sebastian genoß als Schutzpatron gegen Pest und Seuchen große Verehrung. Im Schottenstift wurde 1471 durch Abt Matthias Fink eine Sebastiani-Bruderschaft gegründet. Bruderschaften waren Vereinigungen von Laien (Männern und Frauen), deren Ziel im gemeinsamen Gebet und in karitativen Werken bestand.

Nach einem Niedergang im 16. Jahrhundert gelangte die Sebastiani-Bruderschaft zur Zeit der Gegenreformation zu neuer Blüte. 1627 wurde sie von Papst Urban VIII. zur Erzbruderschaft erhoben, was bedeutete, dass sie sich andere Bruderschaften inkorporieren konnte. Die Zahl der Mitglieder betrug im Hochbarock an die eintausend, darunter die Kaiser Ferdinand III., Leopold I. und Karl VI. Höhepunkt des Bruderschaftslebens waren die Feiern am Sebastianitag (20. Jänner). Der Bruderschaftsaltar stand im südlichen Querschiff. Von ihm sind noch das barocke Altarbild von der Hand des Tobias Pock erhalten.

Letztes glanzvolles Ereignis der Bruderschaftsgeschichte war der Besuch des Papstes Pius VI. im Jahre 1782, bei dem der Pontifex seinen Namen manu propria in das Bruderschaftsbuch eingetragen hat. Ein Jahr später wurde die Sebastiani-Bruderschaft zusammen mit den anderen Bruderschaften der Monarchie im Zuge der josephinischen Reformen aufgehoben. Die Vitrine mit der Silberfigur des hl. Sebastian ist damals in das Eigentum der Abtei übergegangen.

In der Kombination von edlen Materialien und in der kostbaren Ausführung verkörpert der hl. Sebastian ein typisches Kunstkammerstück. Da auf den Silberteilen keine Stadt- oder Meisterpunzen vorhanden sind, ist man für die zeitliche Einordnung auf stilistische Kriterien angewiesen. Diese sprechen für eine Entstehung im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Das Gehäuse ist aus vergoldeten Holzleisten und großteils originalen, mundgeblasenen Gläsern zusammengesetzt. Im Inneren wird in zierlich-barocker Manier die Marter des hl. Sebastian dargestellt. Auf einem aus Kristallen zusammengestellten Sockel steht ein „Baum“ aus roten Korallen und silbernem Geäst. Von Pfeilen getroffen, hängt Sebastian in den Stricken, die ihn an die Äste des Baumes binden. Über ihm schwebt ein Putto, der ihm Kranz und Palmzweig als Siegeszeichen bereithält.

Die Figur des Sebastian ist in vier Teilen (Oberkörper, Beine, Lendentuch) in Silber gegossen, Lendentuch und Pfeile sind feuervergoldet. Die Arbeit ist technisch und künstlerisch von außerordentlicher Qualität.

Die zu „Bergen“ arrangierten Mineralien waren seit dem 16. Jahrhundert für Kunstkammerstücke beliebt. In der Vorstellungswelt von Renaissance und Barock verkörperten sie das chthonisch-erdhafte Element. Korallen wurden erst im 18. Jahrhundert als Tiere erkannt, davor galten sie als pflanzliche Meeresgewächse. Antike Quellen bezeichnen sie als Lithodendra/Steinbäume. Tatsächlich sind sie bei unserem Stück zu einem „steinernen Baum“ zusammengestellt! Der roten Koralle wurden magische Kräfte zugeschrieben, was im Mythos vom im Meer versteinerten Blut der Gorgo Medusa Ausdruck gefunden hat. Die Medizin hat sich der roten Koralle seit der Antike als Heilmittel bedient. Für ein Bild des Pestpatrons Sebastian war die Koralle also ein geeignetes Material!

Nachdem der Zahn der Zeit unserem barocken Helden und seinem Korallenbaum schon arg zugesetzt hatte, wurde die Sebastiansvitrine Anfang des Jahres 2010 von Mag. Wolfgang Schwarzkogler (Fa. Objektrestaurierung) restauriert und im Museum im Schottenstift aufgestellt. Sie ist dort zu den Öffnungszeiten zu besichtigen.

 

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