Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

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Kasel aus der Zeit um 1720

Die Kasel ist Teil des sogenannten „Statthalterischen Ornats“. Die Bezeichnung stammt aus Inventaren von 1738 und 1776. Offenbar wurde der Ornat von einem Statthalter des Erzherzogtums Niederösterreich gestiftet. Die einstigen Statthalter sind von fern mit den heutigen Landeshauptleuten zu vergleichen. Niederösterreichischer Statthalter zur Entstehungszeit des Ornats war Sigismund Friedrich Graf Khevenhüller.

In späteren Inventaren wird der Ornat Gegenstand einer Konfusion. 1824 wird er mit einem „Stadthalter [sic] Starhemberg“ in Verbindung gebracht. Davon ist in den frühen Inventaren keine Rede. Auch gab es zur Entstehungszeit des Ornats keinen Starhemberg, der Statthalter gewesen wäre. Dass der Name Starhemberg eingebracht wurde, beruht wohl auf einem Irrtum.

Ein anderer Ornat des Schottenstifts (der sogenannte Alte Benedictus-Ornat) ist mit dem Statthalterischen Ornat eng verwandt. Die Stoffe der beiden Ornate sind mustergleich. Offenbar stammen sie aus derselben Werkstatt. Nun belegen Quittungen im Archiv des Schottenstifts, dass die Stoffe des Benedictus-Ornats in den Jahren 1718-20 beim Seidenweber Carlo Locatelli angekauft wurden. Locatelli zählte zur Gründergeneration der Wiener Seidenweberei. Vor dem frühen 18. Jahrhundert mussten Luxusstoffe aus Frankreich oder Italien nach Wien importiert werden. Weil dadurch viel Geld ins Ausland floss, versuchte man staatlicherseits die Produktion von Seidenstoffen in Wien zu fördern. Diese Förderpolitik brachte den Zuzug ausländischer Facharbeiter. Einer von ihnen war der wahrscheinlich aus Bergamo stammende Carlo Locatelli.

Man weiß von der Existenz der Wiener Seidenweberei vor allem aus schriftlichen Quellen. Die Zuordnung konkreter Stoffe ist hingegen ganz schwierig. Die beiden Ornate des Schottenstifts sowie ein Ornat im Bestand der Michaelerkirche sind die einzigen Seidenwebereien, die mit Sicherheit einer Wiener Werkstätte zuzuordnen sind.

Stilistisch gehören Locatellis Seidenstoffe zu den sogenannten bizarren Seiden. Diese tragen ihren Namen von den asymmetrischen, äußerst fantasievollen Mustern. Die Zeitgenossen nannten diese Stoffe wegen ihres wilden Charakters „Furienwerk“. Die bizarren Seiden des frühen 18. Jahrhunderts gehören zu den Höhepunkten der europäischen Seidenweberei.

P. Augustinus Zeman

 

 

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