Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Das Klosterleben

Seit Jahrhunderten bestimmt die Benediktusregel den Rhythmus des Lebens zahlreicher Nonnen und Mönche. Sie wurde im 6. Jahrhundert vom hl. Benedikt verfasst, der um 480 in der umbrischen Stadt Nursia (heute: Norcia) geboren wurde. 529 gründete er auf dem Monte Cassino, zwischen Rom und Neapel, das erste Kloster, für das er ein Regelwerk verfasste, die Regula Benedicti. Zentrale Themen der Benediktusregel sind das Gebet, das menschliche Miteinander, die Arbeit, das Heilwerden in der Gemeinschaft unter Regel und Abt. „Ora et labora et lege – bete und arbeite und lies“, so lässt sich die Regel in wenigen Worten zusammenfassen und ist heute aktueller denn je. So ist unser klösterlicher Alltag geprägt durch einen regelmäßigen Rhythmus von Gebet, geistlichem Studium und Arbeit.
Einen wesentlichen Bestandteil des geregelten Tagesablaufs unseres Klosters bildet das Stundengebet. Es ist Ausdruck unserer Gottessuche und hilft uns dabei innezuhalten, um uns auf unseren Weg als Mönche zu besinnen. Die Gebetszeiten finden in der Schottenkirche statt; die Komplet – das Nachtgebet am Ende des Tages – beten wir in der Johanneskapelle. Besucher sind jederzeit herzlich eingeladen!

Vigil und Laudes: Das Morgenlob der Mönche
Jeder Tag im Kloster beginnt mit Vigil und Laudes – der Morgenhore (werktags 6.00, sonntags 7.00 Uhr).
Die frühe Christengemeinde erwartet die Wiederkunft des Erlösers mit der aufgehenden Morgensonne. So ist die Vigil ein wachendes Gebet am Beginn des Tages (lateinisch vigilare für wachen). Ihren Ursprung hat die Vigil in der Feier der Osternacht: Auf den Weckruf des Invitatoriums folgen Psalmen, die in karger Weise rezitiert werden. Vor Sonntagen und vor den großen Hochfesten singen wir eine feierliche Vigil am Vorabend um 20.00 Uhr, in deren Texten das Festgeheimnis bereits aufleuchtet.
Die Laudes singt das feierliche Morgenlob der Kirche, ursprünglich versammelte man sich dazu bei Aufgang der Sonne, die als Symbol für Christus gilt, das Licht der Welt. Diese Gebetszeit ist getragen von Lyrik, Poesie und Theologie: Auf die gesungenen Psalmen folgen der Hymnus – ein Lied, das die Tageszeit besingt – und das neutestamentliche Canticum, das die alttestamentliche Verheißung als in Christus erfüllt interpretiert.
Mit dieser Gebetszeit geht die Nacht zu Ende, ein neuer Tag mit seinen Aufgaben nimmt seinen Lauf. Im Morgenlob beten die Mönche um den Geist und Segen Gottes, der durch den Tag führt.

Die Mittagshore: In der Mitte des Tages zur Ruhe kommen
Diese Hore wird täglich um 12 Uhr vor dem Mittagessen gebetet, um in der Mitte des Tages innezuhalten, zur Ruhe zu kommen, Kraft zu tanken. Die Mittagshore entspricht in etwa der Sext, die „zur sechsten Stunde“ gehalten wurde. „Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis aus“ (Mt 25,33). Ein Hymnus, Psalmen und eine Schriftlesung sind Bestandteile dieser Gebetszeit.

Vesper und Komplet: Der Tag geht zu Ende
Die Vesper findet im Schottenstift täglich um 18 Uhr statt, Montag bis Samstag in Verbindung mit dem Konventamt, am Sonntag als lateinische Choralvesper.
Die Vesper ist das Abendlob der Kirche, das ursprünglich zum Aufgang des Abendsterns gesungen wurde. Der Aufbau ähnelt der Laudes, die Texte der Vesper beschreiben die Hoffnung, auch in Nacht und Finsternis von Christus begleitet zu sein. An Samstagen wird die Feier durch einen Lichtlobpreis („Luzernar“) eingeleitet, der wie in der Osterfeier den auferstandenen Herrn als Licht unseres Lebens begrüßt.
Mit der Komplet endet der reguläre Tag der Mönche und beginnt die Nacht. Von Sonntag bis Freitag wird die Komplet jeweils um 20.00 Uhr in der Romanischen Kapelle (Freyung 6a) gebetet. Dieses letzte Gebet des Tages macht den Tag „komplett“: Es dient dem persönlichen Tagesrückblick und zur Einstimmung auf die Nacht. Gewissenserforschung, Psalmen, Hymnus, ein fürbittendes Gebet und eine marianische Antiphon (an die Gottesmutter gerichteter Gesang) leiten über in die Ruhe der Nacht. Nach der Regel des hl. Benedikt herrscht im Anschluss an die Komplet im Bereich des Klosters Schweigen.
Wichtiges Element des Klosterlebens sind auch die gemeinsamen Mahlzeiten im Refektorium: Frühstück nach der Morgenliturgie, Mittagessen nach der Mittagshore und Abendessen nach der Vesper. Sie sind – angesichts der Lebensrealität vieler Menschen – ein Privileg der Klostergemeinschaft.

Zum geistlichen Tagesprogramm des Klosters gehört auch die Feier der Eucharistie, zu der Christus die Gemeinden ausdrücklich beauftragt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“. Daher ist sie geistlicher Mittelpunkt des Tages. Wir feiern sie in der Regel zusammen mit der Vesper; so verbindet sich der Dank für die Geschenke eines Tages mit dem Dank für die in Christus geschehene Erlösung des Getauften, ja aller Menschen. Unser ist Glaube ist, dass mit den Gaben, die wir in diesem Gottesdienst zum Altar bringen, auch wir „verwandelt“ und uns neu geschenkt werden als Glieder des einen Leibes Jesu Christi.

Die Struktur des Klosters

Der Abt leitet das Kloster und vertritt es nach außen: Er ist der Obere der Mönche und verantwortlich für deren Wohl. Ein von ihm ernannter Prior steht ihm zur Seite; seine Aufgabe ist es, das innere Leben im Kloster zu stärken und er vertritt den Abt in dessen Abwesenheit. Bei uns ist der Prior unter anderem auch für die Zuweisung der einzelnen Dienste zuständig.

Der Novizenmeister hält Ausschau nach geistlichen Berufungen für das Kloster und begleitet die jungen Brüder in ihrem ersten Klosterjahr, dem Noviziat. Der Cellerar (Ökonom, Wirtschaftsdirektor) koordiniert und kontrolliert die verschiedenen Wirtschaftsbetriebe des Klosters und ist Dienstvorgesetzter der Angestellten des Klosters.

Die Pflege von Gastfreundschaft gehört zu den klassischen Aufgaben eines Benediktinerklosters: Gäste werden vom Gastmeister betreut. Auch der Bibliothekar, der Archivar und der Kustos der künstlerischen Gegenstände arbeiten eher im inneren Bereich des Klosters. Nach außen hin tätig sind neben dem Abt die Pfarrseelsorger und die Mönche, die im Schottengymnasium oder an anderen Schulen bzw. Hochschulen unterrichten.
Gemeinsam bilden die „Kapitulare“, die Brüder mit ewiger Profess (das öffentliche Versprechen eines Anwärters in unserer Gemeinschaft bis zum Tod leben zu wollen), das Klosterkapitel, das im Rahmen seiner Kompetenzen der Gesetzgeber der Gemeinschaft ist. Durch Wahl bzw. Ernennung seitens des Abtes werden die Mitglieder der beratenden Gremien bestimmt, die den Seniorenrat und den Wirtschaftsrat bilden.

Kontakt

Tel.: +43 1 534 98
Fax: +43 1 534 98 105
E-Mail: schotten@schottenstift.at

Adresse

Schottenstift
Benediktinerabtei
„Unserer Lieben Frau zu den Schotten“
Freyung 6, 1010 Wien

Schottenstift