Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Geistliche Impulse aus dem Schottenstift

„Jetzt sind ja Schulferien. Da haben Sie sicher einmal etwas Zeit für mich…“

Der erste Satz stimmt. Und auch der zweite wäre so falsch nicht, wenn nicht viele so dächten. So füllt sich der Terminkalender ganz anständig auch ohne Schulbetrieb, sodass erst das Verreisen wirklich Zeit für die Mönche erlaubt. Aber es ist schon so, dass sich viele Dinge entspannter erledigen lassen und mit größerer Ruhe geplant, geschrieben, gelesen werden kann.

Allen Besuchern unserer Seiten wünsche ich ähnliche Erfahrungen. Und wenn Sie sich einmal ärgern müssen über Politik, Wirtschaft, das Wetter oder den bösen Nachbarn, empfehle ich, sich am Abend ins Freie zu setzen, alleine oder mit Freunden ein Glas zu trinken und sich der Schönheiten der Welt zu erfreuen, die es verdienen, in Dankbarkeit betrachtet zu werden.

Dankbar sein für Gottes Schutz

Die letzten Monate im Kloster waren sehr ereignisreich: Der Dienst in der Schule und in den Pfarreien, die Planungen für das kommende Arbeitsjahr, Feiern im Kloster wie die Einladung der Pfarrangehörigen, die von Schottenmönchen betreut werden und nicht zuletzt Hochzeiten und Taufen: all dies kommt zu unseren „normalen“ Aufgaben hinzu. Und dann haben natürlich auch wir uns mit den politischen Vorgängen in Österreich beschäftigt, mit Ibiza und den Folgen: das waren aufregende Tage auch im Kloster! So wird es auch anderen Menschen gehen: Es gibt turbulente Zeiten, in denen man sich nach dem Einfachen, Gewohnten sehnt. Wie gut, dass es nur noch wenige Wochen sind, bis die Sommerferien beginnen! In diesen Tagen kann man schon etwas Rückschau halten, das Gelungene und das Scheitern überblicken und vielleicht auch etwas dankbar sein für Gottes Schutz in den letzten Monaten. Und sicher gibt es auch den einen oder anderen Menschen, dem wir Danke sagen möchten!

„Ich werde durch sein Auferstehn gleich ihm aus meinem Grabe gehn.“

Ostern ist ein besonderes Fest: Wir Christen lassen uns durch die Texte, die wir in diesen Tagen lesen, dass wir wie unser nach drei Tagen aus dem Tod erweckte Christus hoffen dürfen, in der Kraft unserer Taufe den irdischen Tod nicht fürchten müssen, weil auch uns ewiges Leben bei Gott geschenkt ist. Deshalb bekräftigen wir Jahr für Jahr in der Feier der Osternacht unser Taufbekenntnis. Auch heuer hatten wir die Freude, dass im Rahmen des Gottesdienstes ein Schulkind die Taufe empfangen hat. Es war diesem jungen Menschen anzumerken, dass er diese Feier mit großer Aufmerksamkeit und nicht weniger großer Freude erlebt hat. In einem alten Osterlied singen wir: Ich werde durch sein [Christi] Auferstehn gleich ihm aus meinem Grabe gehn. Wer das weiß, lebt schon jetzt anders!

 

Ostern: Einladung, gemeinsam zu feiern

Über die Jünger Jesu von Nazaret bricht Ostern herein wie ein ungeahntes Ereignis allererster Ordnung. Zwar erzählen die Evangelien von verschiedenen Andeutungen Jesu mit Hinweisen auf seinen Tod und auch schon seine Auferstehung. Was dies aber bedeuten sollte, bleibt den Jüngern so sehr verschlossen, dass sie den Karfreitag als Tag der Niederlage, des endgültigen Aus ihrer Erwartungen erleben und auch der Ostermorgen von dem bestimmt wird, was einfach zu tun ist, wenn ein Nahestehender begraben wurde: Trauer, Besuch des Grabes, Salbung des Leichnams. Die österlichen Erscheinungen des Auferstandenen können sie nicht deuten; sie erkennen den Herrn nicht und meinen, ein Gespenst zu sehen.

Für uns heute wäre Jesu Auferstehung ein Termin im Kalender (zwar jährlich wechselnd, doch immer schon eingetragen), wären auch Gründonnerstag und Karfreitag so vermerkt wie die Geburtstage von Verwandten und Freunden: Erinnerung an eine fällige Gratulation oder Feier, aber keine Überraschung! „Wäre“, wenn das Osterfest nicht Jahr für Jahr und immer anders vorbereitet werden müsste, damit es wirklich uns meinen, uns „abholen“ kann aus unserer gegenwärtigen Situation, uns also gewissermaßen wie die Jünger herausreißen kann aus dem alltäglichen Kreislauf von Einsatz, Hoffnung, Enttäuschung und neuer Erwartung.

So gehen wir die Zeit „der 40 Tage“, die Fastenzeit, als einen Weg auf Ostern hin. Benediktiner tun dies, weil sie ihre Ordensregel dazu auffordert, sich durch verschiedene Übungen bereit zu machen für den auferstandenen Herrn; aber auch alle, die nicht im Kloster leben, sind eingeladen diesen Weg mitzugehen. Das ist vor allem eine individuelle Angelegenheit, sich und sein Leben auszurichten auf diesen Termin „Ostern“, aber doch auch eine Sache der gemeinsamen „Vergewisserungen“ dieses Weges.

So feiert die Schottengemeinde auch in der Fastenzeit gemeinsam:

  • den Beginn der 40 Tage am Aschermittwoch durch das Aschenkreuz als Zeichen der Bereitschaft, sich erneut am Evangelium auszurichten (Gottesdienst am 6. März um 18 Uhr);
  • die Sonntagsliturgie mit ihren Texten, die eine Erinnerung an die Grundbotschaft der Christen darstellen: Gottes Solidarität mit dem Menschen und seine ertüchtigende Barmherzigkeit;
  • den „Abend der Barmherzigkeit“, an dem durch Gebet, Anbetung, Stille und das Angebot des Sakraments der Buße und Versöhnung Gelegenheit ist zur Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gottes Willen hin (29. März, 20.30 Uhr);
  • nicht zuletzt die Liturgie des Palmsonntags und der Karwoche bis hin zum Österlichen Triduum, dem „Fest der Feste“ (Palmsonntag, 14. April, 9.30 Uhr; Gründonnerstag und Karfreitag, 18. und 19. April, jeweils 18.30 Uhr; schließlich die Feier der Ostervigil mit der Taufe eines 9-Jährigen und der Bekräftigung des Taufversprechens der Gemeinde, 21. April, 4.30 Uhr).

Alle Leser dieser Zeilen lade ich ein, uns und einander auf diesem österlichen Weg zu begleiten und als „Schottengemeinde“ wie die ersten Jünger zu begreifen, was es bedeutet zu erfahren: Der am Kreuz hing, er lebt, und ist für immer bei uns!

 

Et verbum caro factum est…

ET VERBUM CARO FACTUM EST und das Wort ist Fleisch geworden: Oft erklingt in den Weihnachtstagen dieser Vers aus dem Johannesevangelium in unserem Gottesdienst. Der Satz ist auch in das tägliche Gebet „Engel des Herrn“ eingegangen, an das das Läuten der Kirchenglocken in der Frühe, zu Mittag und am Abend erinnert. Weiter heißt es: „… und hat unter uns gewohnt.“

Dass diese Sätze nicht nur einen Blick in die Vergangenheit werfen, sondern das „Heute“ meinen, müssen wir begreifen, wenn wir Weihnachten wirklich als Fest feiern wollen. „Heute“ tritt Jesus in unser Leben, „heute“ beschenkt er uns als Gast mit seiner Anwesenheit, „heute“ stellt er uns die Frage, was wir ihm zutrauen für uns, für unsere Welt.

„Fürchtet euch nicht“, so begegnet er seinen Jüngern, „ich bin es!“ Habt keine Angst vor eurem Leben, eurer Zukunft, denn ihr alle seid in der guten Hand Gottes. So sind wir zum vertrauensvollen Leben befreit, dessen Wesen die heilige Teresa von Ávila zusammenfasst: „Nichts ängstige dich, nichts verstöre dich. Alles vergeht – Gott bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem kann nichts fehlen – Gott allein genügt.“

So ist es mein Wunsch zum Fest der Geburt Jesu, dass Er in uns zur Welt kommen und wirken kann, damit wir mit ihm vertraut werden und Vertrauen fassen. Mögen wir uns seiner treuen Gegenwart bewusst sein!

Gesegnete Weihnachten, auch namens meiner Brüder im Kloster!

„Deadline-Junkie“

Diese Zeilen würden nicht rechtzeitig zum Adventbeginn erscheinen, hätte mich nicht eine Mitarbeiterin beständig daran erinnert, dass es Zeit wäre, endlich einen Text abzuliefern. So war es auch ausgemacht und dafür bin ich dankbar.

Es hat mich an eine Begebenheit erinnert, die ich erlebte, als ich Mitglied einer Arbeitsgruppe war: Wir warteten schon ungeduldig auf den Beitrag eines weiteren Mitglieds, und da hieß es: „Der ist wohl auch so ein deadline-junkie.“ Der Begriff, der für mich neu war, hat mich sehr erheitert.

Es gibt solche Menschen, die einen gewissen Druck brauchen, um etwas zuwege zu bringen. Ein gesetzter Termin kann da schon auch helfen, wodurch ich flugs auch beim Advent bin. Auch hier geht es um ein bevorstehendes Ereignis, dessen Datum bestens bekannt ist und lange feststeht. Und doch ist es so, dass nicht wenige sich Zeit lassen mit den nötigen Vorbereitungen, wobei ich nicht so sehr an das Beschaffen von Weihnachtsgeschenken denke, sondern daran, was eigentlich auf dem „Programm“ steht: dass die Zeitordnung Gottes in seiner Geschichte mit den und jedem einzelnen Menschen auch ihre „Termine“ hat.

„Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt sind die Tage des Heiles“, singen wir in der Liturgie der Adventzeit immer wieder. Setzen wir dem „Jetzt“ Gottes recht-zeitig unsere Offenheit für die Begegnung mit ihm in der Gestalt des Christus entgegen – oder sind wir un-zeitig, erwarten eine deadline, mit dem Risiko, zu spät zu kommen wie die Mädchen, die vergessen hatten, für die nächtliche Begegnung mit dem Bräutigam Lampen mit Öl vorzubereiten? Das „Jetzt!“ Gottes müsste durch das „Jetzt!“ des Menschen beantwortet werden können – so wie das „Jetzt aber!“ unserer Mitarbeiterin bewirkt hat, dass Sie diese Zeilen pünktlich lesen können.

So deute ich den Advent auch als die sanfte Einladung Gottes an die deadline-junkies, den „Termin“ ihres Heiles wahrzunehmen.

Neustart!

Ein deutlicher Einschnitt im Jahresablauf ist bei uns der Anfang eines neuen Schuljahres. Mehr als am ersten Adventsonntag, dem eigentlichen Neujahrstag der Kirche, und mehr als zu Silvester haben wir den Eindruck, dass jetzt Neues beginnt, dass wir in den Ferien Kräfte gesammelt und vielleicht auch entdeckt haben, was wir neu und besser machen könnten.
So könnten wir entlastet von möglichen Misserfolgen des vergangenen Arbeitsjahres und beschenkt durch neue Ideen und Mut ein neues beginnen.
Beim Wandern, vor allem in den Bergen, ist es wichtig, ab und zu und vor jedem schwierigen Schritt Halt zu finden. So sehe ich auch die Ferienzeit als eine Gelegenheit, den festen Grund zu finden, um neu auszuschreiten in freudiger Erwartung, was Gott uns schenkt und zumutet.

Ich wünsche allen einen gelingenden Neustart!

Incognito!

Im Sommer sind viele unterwegs – auch die Mönche reisen. Und fast alle schätzen es, dass man unbeschwerter sein kann, nicht gedrängt durch Terminkalender und Arbeitsprogramme. Auch an der Kleidung erkennt man den Touristen: legerer – und nicht nur das Gewand: der ganze Mensch kann „lockerer“ sein.

Mein Zeichenlehrer hat uns erzählt, warum er überhaupt nicht auf Urlaub fahre: Auf dem Hauptplatz einer wunderschönen Stadt, die er besichtigte, sei ihm – so dass es alle hören konnten – entgegengeschrien worden: „Herr Professa, sind Sie auch da?“ Dass sein Incognito so indezent aufgedeckt wurde, habe ihn dazu veranlasst, nicht mehr zu reisen. Die Reaktion halte ich für übertrieben, aber es gehört schon auch ein wenig zu diesen Ferientagen, dass wir nicht gleich erkannt werden, wenn wir es nicht wollen.

Anders ist es mit unserer Identität als Christen. Zwar werden wir unsere Konfession nicht vor uns herposaunen, doch müsste im Verhalten sichtbar werden, dass wir den anderen Menschen schätzen, auch wenn er „nur“ zum Personal eines Hotels gehört oder den Touristen sonstwie behilflich ist. Und sicher freuen sich die Bewohner unseres Urlaubsortes, wenn wir ihre Kirchen nicht nur als Kunstdenkmäler wahrnehmen, sondern darin auch beten, eine Besichtigung durch eine Besinnung ergänzen und – auch dies – die den Sonntag feiernde Kirchengemeinde am Ort dadurch ehren, dass wir ihre Gottesdienste mitfeiern. Hier braucht es kein Incognito!

„Es ist vollbracht“

Wer bei der Verkündung der Johannespassion die Stimme Jesu lesen darf, macht eine Erfahrung des Herrn mit: sein nahezu gänzliches Verstummen, je näher die Erzählung an ihr Ende kommt. Es ist ein langes Schweigen! Erst kurz vor seinem Tod spricht Jesus wieder, zunächst zu seiner Mutter und zum Jünger, den er liebte, bevor er seinen Tod geradezu als Hoheitsakt verkündet: Es ist vollbracht! Dem entspricht der Ausblick des Evangelisten: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.

Wer so spricht, muss sich seiner Sache sicher sein – so stellt das Vierte Evangelium wenigstens die Passion dar. Die Gewissheit, dass der Vater in seiner Treue den Sohn nicht fallen lässt, bringt Jesus vor Pilatus ins Wort: Ich bin in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Die Wahrheit, von der Jesus spricht, ist aber die »Treue« Gottes.

Weil Gott die Seinen nie und nimmer verlässt, deshalb steht auch die Passion Jesu unter der Treue Gottes. So bezeichnet das Wort Jesu – „Es ist vollbracht!“ – nicht die Empfindung dessen, dessen Leiden bald vorbei ist, sondern die Gewissheit des Ostersieges.

So lädt das Johannesevangelium ein, der Treue Gottes zu trauen, die den Menschen über die Abgründe des Lebens tragen kann.

1418 als entscheidendes Jahr

In der Geschichte unseres Klosters ist 1418 ein entscheidendes Jahr: Die iroschottischen Mönche, denen Herzog Heinrich II. im Jahr 1155 das Schottenkloster zugedacht hatte, hatten segensreich in der Stadt Wien gewirkt, doch ging ihre Zahl mehr und mehr zurück, sodass Herzog Leopold VI. verfügte, es müssten auch deutschsprachige Mönche im Haus auf der Freyung aufgenommen werden. Mit diesem Gedanken konnten sich die Iroschotten jedoch nicht anfreunden und kehrten samt und sonders in das Gründungskloster Regensburg zurück.

Sofort wurde die Abtei aber wieder besiedelt und besteht seitdem ohne Unterbrechung als deutschsprachiges Benediktinerkloster. Der Name „Schotten“ war aber bereits so geläufig, dass er beibehalten wurde. So steigen tausende Wiener am Verkehrsknotenpunkt „Schottentor“ oder in der U-Bahn-Station „Schottenring“ aus Straßenbahn und Untergrundbahn und gehen über die „Schottengasse“ an der „Schottenkirche“ vorbei oder über den „Schottenhof“ ins „Schottengymnasium“. Vielleicht wohnen sie im Grätzel „Schottenfeld“ in der Vorstadt oder gehen im „Schottenwald“ im Westen Wiens spazieren. Und im Kloster leben die Schottenmönche nach der Regel des heiligen Benedikt im Dienst der Menschen in der Stadt Wien. Seit 600 Jahren sprechen sie Deutsch. Damit erreichen sie hoffentlich die Herzen der Menschen, die ihnen begegnen – und sie sind unendlich dankbar, dass sie in dieser schönen Stadt Heimat gefunden haben.

Kontakt

Tel.: +43 1 534 98
Fax: +43 1 534 98 105
E-Mail: schotten@schottenstift.at

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Schottenstift
Benediktinerabtei
„Unserer Lieben Frau zu den Schotten“
Freyung 6, 1010 Wien

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