Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Geistliche Impulse aus dem Schottenstift

Die Fastenzeit

Die Benediktsregel sieht in den Vierzig Tagen vor Ostern eine besondere Gelegenheit, „auf das Leben zu achten“, es zu hüten, sorgfältig damit umzugehen und ehrlich wahrzunehmen, was „ist“ und was noch nötig wäre, damit mein und unser Leben als Gemeinschaft mehr zum Eigentlichen hinführt. Benedikts Thema für die Fastenzeit sind die Fragen: Wo stehe ich? und Was muss ich tun oder lassen – und Was müssen wir tun?

Diesem Ziel dienen die Fastenübungen, die sowohl ein „Mehr“ als auch ein „Weniger“ umfassen: über die gewohnten Pflichten unseres Dienstes hinaus einerseits und der Verzicht bei Essen und Trinken, Geschwätz und Albernheiten anderseits. Dahinter steht die Frage, ob ich mich in dieser Welt bereits so gut eingerichtet habe, dass ich nichts weiter erwarte.

Denn das eigentliche Ziel ist die Paschafeier, womit nicht nur das jeweils nächste Osterfest gemeint ist, sondern die Begegnung mit dem lebendigen Christus. Diese darf der Mönch, und nicht nur er, sondern jeder und jede Getaufte, mit freudiger Sehnsucht erwarten.

Gebet der Kerze

In einer Kirche im Elsass habe ich in der Kerzenkapelle einen Hinweis gelesen, der mich bewegt hat:

Ich weiß nicht, wie das geht: Beten.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Ich habe nicht viel Zeit.

Also, Herr, soll dieses Licht, das ich vor dir entzünde,
mein Gebet sein:
dass seine leuchtende Flamme
meine Freuden und Leiden vor dich trage;
dass seine tröstliche Flamme auch mein Leben hell mache
durch deine treue Gegenwart.

Wenn wir einmal keine Worte finden oder wenn es ganz rasch gehen muss,
mag uns das Anzünden einer Kerze spüren lassen, dass Gott unser Leben teilt
und die Wärme des Lichts uns etwas von seiner Zärtlichkeit spüren lässt.

Adventzeit

„Wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich es anders machen!“ – Zu einem solchen reset haben wir nicht so oft Gelegenheit. Wir bauen auf Verbautem weiter und versuchen dem Ganzen so recht und schlecht die richtige Form zu geben, ähnlich einem alten Baum. dem Wind und Wetter sichtbar zugesetzt haben, der aber weiter lebt.

In der Bibel finden sich viele Bilder von Bäumen. Sehr schön ist jenes, in dem davon gesprochen wird, dass ein Baum an „zuverlässigem“ Wasser steht, also immer der Quelle nahe ist, die ihn leben lässt. In einer sehr schwierigen Stunde seines Lebens klagt der Prophet Jeremia Gott an: „Wie ein versiegender Bach bist du mir geworden.“ Die Antwort Gottes gibt Jeremia Mut und eröffnet einen Weg aus seiner Misere.

Ein weiteres Bild stammt aus dem Lukasevangelium: Ein Feigenbaum trägt schon seit drei Jahren keine Früchte und soll nach dem Wunsch des Besitzers gerodet werden. Der zuständige Winzer aber erreicht einen Aufschub: „Lass ihn in diesem Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!“ (Lk 13, 8).

Diese Bilder sprechen von der Geduld und der Fürsorge Gottes für sein Volk. Sie sind trostreich, weil sie uns Gottes Haltung zu uns nahebringen: Ich lasse dich wachsen – und den Neuanfang setze ich für dich. Er hat einen Namen: Jesus von Nazaret; auf sein Geburtsfest gehen wir in den Wochen des Advents zu.

Begegnungszone

Mariahilfer Straße und Herrengasse sind es schon: eine „Begegnungszone“, in der alle Verkehrsteilnehmer halbwegs gleichberechtigt unterwegs sind; nun gibt es Pläne, auch die Schottengasse zu einer solchen Verkehrsfläche umzugestalten. Dies verlangt umfangreiche Vorarbeiten, Gespräche und die Berücksichtigung berechtigter Wünsche und Interessen.
Für das Schottenkloster ist das nichts Neues. Immer schon ist das Leben der Mönche auf Begegnung ausgerichtet: in ihrem Zusammensein als klösterliche Gemeinschaft, durch die vielen Begegnungen, in denen die Einzelnen, aber auch das Kloster als Ganzes stehen, durch die Arbeit mit den jungen Menschen im Gymnasium, beim Versuch, mit den Anrainern gute Nachbarschaft zu pflegen und dergleichen mehr. Vor allem aber ist unsere Kirche ein solcher Begegnungsort, in dem eine Gemeinde zum Gottesdienst zusammenfindet und ihn singend, betend lobt; wo aber auch in der Stille des vertraulichen Zwiegesprächs mit Gott und im pastoralen Gespräch Menschen Entlastung, Erholung und Stärkung finden. Dies alles macht die „Begegnungszone Schottenstift“ aus.
Begegnungen sind notwendig, wenn es zu Beziehungen kommen soll. Im Dienst solcher heilsamen Beziehungen stehen wir also. So kann es uns nur recht sein, wenn im Umkreis des Klosters neue Begegnungsmöglichkeiten entstehen.

„Jetzt sind ja Schulferien. Da haben Sie sicher einmal etwas Zeit für mich…“

Der erste Satz stimmt. Und auch der zweite wäre so falsch nicht, wenn nicht viele so dächten. So füllt sich der Terminkalender ganz anständig auch ohne Schulbetrieb, sodass erst das Verreisen wirklich Zeit für die Mönche erlaubt. Aber es ist schon so, dass sich viele Dinge entspannter erledigen lassen und mit größerer Ruhe geplant, geschrieben, gelesen werden kann.

Allen Besuchern unserer Seiten wünsche ich ähnliche Erfahrungen. Und wenn Sie sich einmal ärgern müssen über Politik, Wirtschaft, das Wetter oder den bösen Nachbarn, empfehle ich, sich am Abend ins Freie zu setzen, alleine oder mit Freunden ein Glas zu trinken und sich der Schönheiten der Welt zu erfreuen, die es verdienen, in Dankbarkeit betrachtet zu werden.

Dankbar sein für Gottes Schutz

Die letzten Monate im Kloster waren sehr ereignisreich: Der Dienst in der Schule und in den Pfarreien, die Planungen für das kommende Arbeitsjahr, Feiern im Kloster wie die Einladung der Pfarrangehörigen, die von Schottenmönchen betreut werden und nicht zuletzt Hochzeiten und Taufen: all dies kommt zu unseren „normalen“ Aufgaben hinzu. Und dann haben natürlich auch wir uns mit den politischen Vorgängen in Österreich beschäftigt, mit Ibiza und den Folgen: das waren aufregende Tage auch im Kloster! So wird es auch anderen Menschen gehen: Es gibt turbulente Zeiten, in denen man sich nach dem Einfachen, Gewohnten sehnt. Wie gut, dass es nur noch wenige Wochen sind, bis die Sommerferien beginnen! In diesen Tagen kann man schon etwas Rückschau halten, das Gelungene und das Scheitern überblicken und vielleicht auch etwas dankbar sein für Gottes Schutz in den letzten Monaten. Und sicher gibt es auch den einen oder anderen Menschen, dem wir Danke sagen möchten!

„Ich werde durch sein Auferstehn gleich ihm aus meinem Grabe gehn.“

Ostern ist ein besonderes Fest: Wir Christen lassen uns durch die Texte, die wir in diesen Tagen lesen, dass wir wie unser nach drei Tagen aus dem Tod erweckte Christus hoffen dürfen, in der Kraft unserer Taufe den irdischen Tod nicht fürchten müssen, weil auch uns ewiges Leben bei Gott geschenkt ist. Deshalb bekräftigen wir Jahr für Jahr in der Feier der Osternacht unser Taufbekenntnis. Auch heuer hatten wir die Freude, dass im Rahmen des Gottesdienstes ein Schulkind die Taufe empfangen hat. Es war diesem jungen Menschen anzumerken, dass er diese Feier mit großer Aufmerksamkeit und nicht weniger großer Freude erlebt hat. In einem alten Osterlied singen wir: Ich werde durch sein [Christi] Auferstehn gleich ihm aus meinem Grabe gehn. Wer das weiß, lebt schon jetzt anders!

 

Ostern: Einladung, gemeinsam zu feiern

Über die Jünger Jesu von Nazaret bricht Ostern herein wie ein ungeahntes Ereignis allererster Ordnung. Zwar erzählen die Evangelien von verschiedenen Andeutungen Jesu mit Hinweisen auf seinen Tod und auch schon seine Auferstehung. Was dies aber bedeuten sollte, bleibt den Jüngern so sehr verschlossen, dass sie den Karfreitag als Tag der Niederlage, des endgültigen Aus ihrer Erwartungen erleben und auch der Ostermorgen von dem bestimmt wird, was einfach zu tun ist, wenn ein Nahestehender begraben wurde: Trauer, Besuch des Grabes, Salbung des Leichnams. Die österlichen Erscheinungen des Auferstandenen können sie nicht deuten; sie erkennen den Herrn nicht und meinen, ein Gespenst zu sehen.

Für uns heute wäre Jesu Auferstehung ein Termin im Kalender (zwar jährlich wechselnd, doch immer schon eingetragen), wären auch Gründonnerstag und Karfreitag so vermerkt wie die Geburtstage von Verwandten und Freunden: Erinnerung an eine fällige Gratulation oder Feier, aber keine Überraschung! „Wäre“, wenn das Osterfest nicht Jahr für Jahr und immer anders vorbereitet werden müsste, damit es wirklich uns meinen, uns „abholen“ kann aus unserer gegenwärtigen Situation, uns also gewissermaßen wie die Jünger herausreißen kann aus dem alltäglichen Kreislauf von Einsatz, Hoffnung, Enttäuschung und neuer Erwartung.

So gehen wir die Zeit „der 40 Tage“, die Fastenzeit, als einen Weg auf Ostern hin. Benediktiner tun dies, weil sie ihre Ordensregel dazu auffordert, sich durch verschiedene Übungen bereit zu machen für den auferstandenen Herrn; aber auch alle, die nicht im Kloster leben, sind eingeladen diesen Weg mitzugehen. Das ist vor allem eine individuelle Angelegenheit, sich und sein Leben auszurichten auf diesen Termin „Ostern“, aber doch auch eine Sache der gemeinsamen „Vergewisserungen“ dieses Weges.

So feiert die Schottengemeinde auch in der Fastenzeit gemeinsam:

  • den Beginn der 40 Tage am Aschermittwoch durch das Aschenkreuz als Zeichen der Bereitschaft, sich erneut am Evangelium auszurichten (Gottesdienst am 6. März um 18 Uhr);
  • die Sonntagsliturgie mit ihren Texten, die eine Erinnerung an die Grundbotschaft der Christen darstellen: Gottes Solidarität mit dem Menschen und seine ertüchtigende Barmherzigkeit;
  • den „Abend der Barmherzigkeit“, an dem durch Gebet, Anbetung, Stille und das Angebot des Sakraments der Buße und Versöhnung Gelegenheit ist zur Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gottes Willen hin (29. März, 20.30 Uhr);
  • nicht zuletzt die Liturgie des Palmsonntags und der Karwoche bis hin zum Österlichen Triduum, dem „Fest der Feste“ (Palmsonntag, 14. April, 9.30 Uhr; Gründonnerstag und Karfreitag, 18. und 19. April, jeweils 18.30 Uhr; schließlich die Feier der Ostervigil mit der Taufe eines 9-Jährigen und der Bekräftigung des Taufversprechens der Gemeinde, 21. April, 4.30 Uhr).

Alle Leser dieser Zeilen lade ich ein, uns und einander auf diesem österlichen Weg zu begleiten und als „Schottengemeinde“ wie die ersten Jünger zu begreifen, was es bedeutet zu erfahren: Der am Kreuz hing, er lebt, und ist für immer bei uns!

 

Et verbum caro factum est…

ET VERBUM CARO FACTUM EST und das Wort ist Fleisch geworden: Oft erklingt in den Weihnachtstagen dieser Vers aus dem Johannesevangelium in unserem Gottesdienst. Der Satz ist auch in das tägliche Gebet „Engel des Herrn“ eingegangen, an das das Läuten der Kirchenglocken in der Frühe, zu Mittag und am Abend erinnert. Weiter heißt es: „… und hat unter uns gewohnt.“

Dass diese Sätze nicht nur einen Blick in die Vergangenheit werfen, sondern das „Heute“ meinen, müssen wir begreifen, wenn wir Weihnachten wirklich als Fest feiern wollen. „Heute“ tritt Jesus in unser Leben, „heute“ beschenkt er uns als Gast mit seiner Anwesenheit, „heute“ stellt er uns die Frage, was wir ihm zutrauen für uns, für unsere Welt.

„Fürchtet euch nicht“, so begegnet er seinen Jüngern, „ich bin es!“ Habt keine Angst vor eurem Leben, eurer Zukunft, denn ihr alle seid in der guten Hand Gottes. So sind wir zum vertrauensvollen Leben befreit, dessen Wesen die heilige Teresa von Ávila zusammenfasst: „Nichts ängstige dich, nichts verstöre dich. Alles vergeht – Gott bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem kann nichts fehlen – Gott allein genügt.“

So ist es mein Wunsch zum Fest der Geburt Jesu, dass Er in uns zur Welt kommen und wirken kann, damit wir mit ihm vertraut werden und Vertrauen fassen. Mögen wir uns seiner treuen Gegenwart bewusst sein!

Gesegnete Weihnachten, auch namens meiner Brüder im Kloster!

„Deadline-Junkie“

Diese Zeilen würden nicht rechtzeitig zum Adventbeginn erscheinen, hätte mich nicht eine Mitarbeiterin beständig daran erinnert, dass es Zeit wäre, endlich einen Text abzuliefern. So war es auch ausgemacht und dafür bin ich dankbar.

Es hat mich an eine Begebenheit erinnert, die ich erlebte, als ich Mitglied einer Arbeitsgruppe war: Wir warteten schon ungeduldig auf den Beitrag eines weiteren Mitglieds, und da hieß es: „Der ist wohl auch so ein deadline-junkie.“ Der Begriff, der für mich neu war, hat mich sehr erheitert.

Es gibt solche Menschen, die einen gewissen Druck brauchen, um etwas zuwege zu bringen. Ein gesetzter Termin kann da schon auch helfen, wodurch ich flugs auch beim Advent bin. Auch hier geht es um ein bevorstehendes Ereignis, dessen Datum bestens bekannt ist und lange feststeht. Und doch ist es so, dass nicht wenige sich Zeit lassen mit den nötigen Vorbereitungen, wobei ich nicht so sehr an das Beschaffen von Weihnachtsgeschenken denke, sondern daran, was eigentlich auf dem „Programm“ steht: dass die Zeitordnung Gottes in seiner Geschichte mit den und jedem einzelnen Menschen auch ihre „Termine“ hat.

„Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt sind die Tage des Heiles“, singen wir in der Liturgie der Adventzeit immer wieder. Setzen wir dem „Jetzt“ Gottes recht-zeitig unsere Offenheit für die Begegnung mit ihm in der Gestalt des Christus entgegen – oder sind wir un-zeitig, erwarten eine deadline, mit dem Risiko, zu spät zu kommen wie die Mädchen, die vergessen hatten, für die nächtliche Begegnung mit dem Bräutigam Lampen mit Öl vorzubereiten? Das „Jetzt!“ Gottes müsste durch das „Jetzt!“ des Menschen beantwortet werden können – so wie das „Jetzt aber!“ unserer Mitarbeiterin bewirkt hat, dass Sie diese Zeilen pünktlich lesen können.

So deute ich den Advent auch als die sanfte Einladung Gottes an die deadline-junkies, den „Termin“ ihres Heiles wahrzunehmen.

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Benediktinerabtei
„Unserer Lieben Frau zu den Schotten“
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