Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Geistliche Impulse aus dem Schottenstift

Unsere Zeitrechnung und Gottes Plan

Wann beginnt ein „neues Jahr“? Genau genommen würden wir ja von einem Jahreswechsel überhaupt nichts bemerken, wenn wir keinen Kalender hätten und ohne den Silvesterlärm: Am Abend gehen wir zu Bett, und am Morgen stehen wir auf. Nichts hat sich geändert. Und doch teilen wir die Zeit in Sekunden, Stunden, Tage und Jahre. So kommen wir auf „Neujahr“.

Der kirchliche Jahreskreis

„Unser“ Neujahrsfest ist der erste Adventsonntag. Er ist begleitet durch die Segnung der Adventkränze, die feierliche Vigil und den Blick auf das nahende Weihnachtsfest, das seinerseits den Beginn einer neuen Zeitrechnung markiert. So zählen wir ja auch heute die Jahre vor oder nach Christi Geburt und alte liturgische Texte feiern die Menschwerdung des Gottessohnes als den Beginn eines neuen Äons. Wir lesen die alttestamentlichen Texte als Ankündigung einer neuen Zeit, in der die Gottesherrschaft Gestalt gewinnt, weil Gott sein Volk von neuem sammelt mit dem Auftrag, die Welt nach seinem Plan zu verändern. Das Epiphaniefest am 6. Jänner greift dies auf und verbindet es mit der zivilen Zeitrechnung, wenn es in der Liturgie das Datum der beweglichen Feste des neuen Kalenderjahres feierlich nennt und so die „christliche“ mit der „bürgerlichen“ Zeitrechnung verbindet.

Das Brauchtum um den 1. Jänner verblasst hinter diesen Markierungen etwas; lediglich in der Jahresschlussandacht wird Rückschau gehalten auf all das, was in den vorangegangenen zwölf Monaten geschehen ist. Die Frage ist ja, ob wir trotz aller Schwierigkeiten und trotz allen Leides Gott zutrauen, der „Herr der Geschichte“ zu sein. Mit dem seligen Papst Paul VI. feiern wir den 1. Jänner dann als Weltfriedenstag, weil Gottes Reich ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens ist.

Unsere Vorsätze

Ein neues Jahr sieht nach ein paar Monaten auch schon wieder „alt“ aus. Das muss nicht so sein und gelingt dann eher, wenn die Vorsätze, die wir fassen, die Perspektive Gottes aufnehmen und sich nicht in moralischen Kleinigkeiten verlieren, sondern ein wenig darauf schauen, wie wir im Glauben unsere Welt im Sinn Gottes verändern und ihr ein menschlicheres Gesicht geben können. Für eine solche „Selbstverpflichtung“ braucht es übrigens kein Neujahrsfest: damit kann man jeden Tag, jede Stunde beginnen.

Weihnachten

Für viele endet Weihnachten am 25. Dezember. Ob es ein gelungenes Fest war, weiß man dann schon; ob es sich »gelohnt« hat, entnimmt man den Angaben des Handels und erkennt es, wenn man Freude bereiten oder erfahren konnte.

Das Risiko Gottes ist größer und eine Bilanz umfasst eine längere Zeitspanne: Erfassen die Menschen, dass sie schon das Kind Jesus einlädt zur Nachfolge, zu einem Leben nach dem Evangelium, zur Umgestaltung dieser Welt?

Schön, wenn unser Gebet an der Krippe dieses »Ja« zur Berufung in das Volk Gottes enthält. Dann bleibt es hell, auch wenn die Weihnachtslichter wieder abgebaut sind. Denn das Leuchten, das aus dieser Berufung kommt, hört nicht auf.

„Den Weg des Lebens erkennen“

Wenn Sie Urlaub machen konnten, sind Sie hoffentlich alle wohlbehalten heimgekehrt und fühlen sich gestärkt – bereit für alle Herausforderungen der kommenden Tage und Wochen. Die Nachrichten von den Anschlägen in europäischen Städten haben wohl auch Sie nachdenklich gemacht und besorgt angesichts der Gewalt an im wahrsten Sinn des Wortes unschuldigen Menschen. Ist es das, was unsere Zukunft ausmachen wird: Gewalt und Angst? Und zurecht denken wir: Dies wäre kein menschenwürdiges Dasein!

Was aber gehört zu einem Leben, das wert ist gelebt zu werden? Freiheit? Materielle Sicherheit? Friede im Kleinen und Großen? Gewiss! Ich lese im Psalm 16, einem Lied, das gerne zum Tagesausklang gebetet wird: Ich habe mir den Herrn beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

„Den Weg des Lebens erkennen“: Spuren wahrzunehmen, welche Richtung ein, mein Leben hat, wo sein Sinn zu finden ist, die „Freude und Fülle“. Für mich gehört dies zum Wesentlichen meines Lebens; und ich bin Gott dankbar, dass er mir diesen Weg aufzeigt – in guten Stunden erkenne ich diese „Markierungen“. Sie nicht aus dem Blick zu verlieren, auch wenn die Tagesnachrichten uns betroffen und sorgenvoll machen, ist wahre Lebenskunst.

Vom erstaunlichen Wirken des Gottesgeistes

Bei einem Firmgottesdienst fragte ich einen jungen Burschen, der mir ein wenig gehemmt vorkam, spontan, ob er vielleicht vor etwas Angst habe. Eine mögliche Antwort wäre gewesen: Nein, ich bin nur etwas aufgeregt. Damit hätte ich jedenfalls gerechnet.

Ohne lange nachzudenken, sagte er mir aber etwa: Ich fürchte mich davor, nicht akzeptiert zu werden, ausgeschlossen zu sein. Wenige Sekunden nachdem ihm zugesprochen war: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“, hatte ihn dieser Geist dazu gebracht, die große Angst seines Lebens gegenüber dem Menschen auszusprechen, der ihn wenige Sekunden zuvor gefirmt hatte.

Für mich war diese Antwort ein schönes Geschenk des Vertrauens, und man kann sich denken, was ich dem jungen Mann gesagt habe, um ihn zu trösten und ihn einzuladen, ein wenig mehr Vertrauen in sich selbst zu haben.

Nachher ist mir in den Sinn gekommen, was wir in der Liturgie des Pfingstfestes vor dem Evangelium singen, die „Pfingstsequenz“, in der es in deutscher Übersetzung heißt: Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält, löse, was in sich erstarrt, lenke was den Weg verfehlt.

Der Gottesgeist verhelfe uns dazu, die Wahrheit unseres Lebens zu finden.

Lebe!

Auf einer Website, die sich mit Fragen der Ernährung befasst, habe ich folgende Wertung der kirchlichen Fastenzeit gefunden: „Die katholische Fastenzeit ist ein ganzheitlicher Ansatz für ein bewussteres Leben, der insbesondere auch eine bewusstere Ernährung mit einschließt. Sie kann individuell gestaltet werden. Wenn sie auch generell als Einstieg (oder regelmäßige Verfestigung) in ein ‚umgestelltes’ Leben dient, ist sie uneingeschränkt empfehlenswert – auch für Menschen, die nicht (katholisch) gläubig sind.“

„Einstieg in ein umgestelltes Leben“: das ist die Einladung des Osterfestes an alle, die die christliche Botschaft von der Ohnmacht des Todes hören. Tatsächlich ist das Leben seit der Auferstehung Christi „umgestellt“, hat eine neue Ausrichtung, deren Perspektive nicht vom Tod bestimmt wird, sondern von der Option Gottes für den Menschen: Lebe! In den Wochen der Fastenzeit könnte uns nun wirklich aufgegangen sein, was dieses Leben einschränkt: falsche Gewichtungen, Abhängigkeiten, Egoismus. Wenn wir die Osterbotschaft als Befreiung verstehen können, hängt dies auch damit zusammen, dass wir leibhaft erfahren haben, wie gut es tut, Dinge, Gewohntheiten wegzulassen, die den Blick auf erfülltes Leben verstellen.

Das „Katholische“ darin ist, dass wir die alles nicht nur als eigene Leistung, als „Lebenssport“ erbringen müssen, sondern annehmen dürfen als Geschenk Gottes, der mit der Frage: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben?“ (Psalm 34) uns meint und uns einlädt Jesus nachzufolgen im Leben, aber dann eben auch im Tod, der seine vernichtende Kraft eingebüßt hat und nicht viel mehr ist als eine weitere „Umstellung“ des Lebens.

Zur Fastenzeit

Über 250 erwachsene Taufbewerber gibt es heuer in der Wiener Diözese. Sie haben am Donnerstag nach Aschermittwoch vom Erzbischof die Zulassung zur Taufe erhalten; die meisten von ihnen werden das Sakrament in der Osternacht in ihren Pfarrgemeinden empfangen. Auch in der Schottenkirche wird eine junge Frau getauft und gefirmt werden. Gemeinsam ist den Bewerberinnen und Bewerbern, dass sie irgendwann auf einen Menschen getroffen sind, der ihnen überzeugend von der Schönheit des christlichen Glaubens erzählen konnte. So haben auch sie sich entschlossen, sich auf diesen Weg zu begeben.

In den Gottesdiensten der Fastenzeit werden die Gemeinden immer wieder eingeladen werden, für die Katechumenen zu beten und vor allem die letzten Tage vor der Taufe durch ihr Fasten zu begleiten. Dazu möchte ich auch hier einladen: dass wir den Menschen, die Christen werden wollen, ein Beispiel des Glaubens geben, das sie stärkt und den Tag ihrer Taufe mit großer Freude erwarten lässt.

„Kopf hoch!“

„Schaut auf und erhebt eure Häupter: eure Erlösung ist nah!“ Mit diesem Satz aus dem Lukasevangelium beginnen manche Frühgottesdienste in der Adventzeit. Eine unerwartete Wiederholung dieser Aufforderung konnte man auf dem Trottoir einer an das Kloster angrenzenden Straße sehen.

Es ist nicht bloß ein richtungsloses „Schauen“, ganz ohne Orientierung, sondern wir meinen den Blick zum „aufstrahlenden Licht aus der Höhe“, das im Leben der Menschen wirken will, vor allem jener, die jetzt noch „Finsternis und Todesschatten“ erfahren. So sagt das Lukasevangelium an anderer Stelle.

Oder für heute: „Kopf hoch!“ Da ist etwas, das kommt und Segen bringt: Ihnen, die dies lesen – und allen Menschen, die Ausschau halten nach Leben und Gerechtigkeit, nach Barmherzigkeit und Frieden.

Ihnen allen mache das Weihnachtsfest Freude und lasse uns das unerschütterlich treue Interesse Gottes an den Menschen und an unserer Welt glauben.

Ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest wünschen die Mönche der Schottenabtei und Abt Johannes: „Kopf hoch!“

Geistliche Lesung (lectio divina)

I.

Man kann sagen, dass sich in den letzten Jahrzehnten auch in den katholischen Gemeinden das Wissen um die Notwendigkeit verstärkt hat, die Quellen der Heiligen Schrift für alle zu erschließen. Vielfach sind Bibelrunden entstanden, man liest ganze Bücher der Bibel und tauscht sich darüber aus; in jüngerer Zeit ist das „Bibel-Teilen“ beliebt geworden, eine Methode, in der eine Gruppe von Menschen zu einem bestimmten Abschnitt der Bibel sich spontan über einzelne Sätze austauscht, durch die sich die Teilnehmer besonders angesprochen fühlen.

Die monastische Tradition der lectio divina geht einen etwas anderen Weg und folgt dabei dem Ratschlag der Benediktusregel: „…heilige Schriften gerne hören…“ (RB 4,55) und der Anordnung „… die Brüder sollen … zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.“ (RB 48,1)

Kapitel 73 derselben Regel bringt zur Sprache, was gelesen werden soll: In erster Linie ist es die Heilige Schrift („Ist denn nicht jede Seite oder jedes von Gott beglaubigte Wort des Alten und Neuen Testamentes eine verlässliche Wegweisung für das menschliche Leben?“; RB 73,3), dann aber auch die Schriften der Kirchenväter und weitere Grundtexte des monastischen Lebens (vgl. RB 73, 4-6).

Insbesondere die Bibel muss der Mönch kennen und vielfach auswendig können. Ihre Aneignung erfolgt nun in der Geistlichen Lesung in verschiedenen Schritten.

Der erste wird im engeren Sinn lectio genannt, das aufmerksame Lesen eines Schrifttextes, der nicht zu lange ist, nicht so sehr, um eine story zu erfassen, sondern im Bewusstsein, dass im Gelesenen eine Wahrheit zu finden ist, die Gott um des Heiles des Menschen willen aufgezeichnet haben wollte (vgl. Dei Verbum, Konstitution des II. Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung, Nr. 11).

Der aufmerksame Leser begegnet im gewählten Abschnitt nicht einfachhin Gottes Wort, sondern Gott selbst, der sich im vom Menschen geformten Wort offenbart mit dem Ziel, sich dem Menschen mitzuteilen. Für den Leser bedeutet dies eine bestimmte Ehrfurcht für den Text und das Interesse, daraus wirklich etwas von Gott zu erfahren, was ihm gilt. Daraus folgt ein langsames Lesen (das in manchen Traditionen schon mit dem bedächtigen Öffnen des Buches beginnt), das offen ist für das, was Gott sagen will. An der einen oder anderen Formulierung wird man „hängen bleiben“, weil sie besonders ansprechend ist oder auch weil sie Schwierigkeiten bereitet. Diesen Sätzen wendet sich der geistlich Lesende in einem zweiten Schritt zu, der „Meditation“ (meditatio).

II.

Der Text, den sich der Leser in der lectio erschlossen hat, wird nicht in jeder Zeile gleich intensiv erfahren werden; was besonders aufgefallen ist, vielleicht ein Satz nur oder eine Wendung, kann nun vertieft werden. Das Meditieren ist zunächst ein technischer Vorgang und meint das häufige Wiederholen dieser Wendung, ein „Murmeln“ (so die wörtliche Übersetzung des entsprechenden hebräischen Wortes), man lernt den Text auswendig, wiederholt ihn, lässt ihn also von „außen“ nach „innen“, in die Mitte dringen, macht ihn zu seinem eigenen Text. Geistlich gesprochen, erlaubt man dem Wort Gottes und damit ihm selbst, das Innere des Menschen zu erfüllen, gewissermaßen Wohnung zu nehmen in sich selbst, sich „einzurichten“ im Menschenhaus.

Neben dieser sehr alten Methode zur Meditation haben Anregungen aus dem Bereich des Zen-Buddhismus unter anderem dazu geführt, den Vorgang des Meditierens durch Körperhaltung und Atmung zu unterstützen; vereinfacht gesagt, die Aufnahme des äußerlichen Impulses (Wort, Musik, Bild, Gegenstand u.s.w.) durch ein innerliches „Leer-Werden“ zu unterstützen. Dabei befindet man sich in einer entspannten Haltung, achtet vor allem auf das Ausatmen und öffnet sich dem Neuen. Man könnte auch bar jeden „Gegenstandes“ meditieren; dann richtet sich die Aufmerksamkeit unter anderem auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers oder einer bestimmten Befindlichkeit, die sonst unbewusst wirkt.

Natürlich braucht dieser Vorgang seine Zeit und lässt sich nicht in wenigen Minuten erledigen. Wer nach etwa einer halben Stunde des Meditierens wieder „auftaucht“, erfährt sich zumeist tief beschenkt ­– im Fall der geistlichen Lesung durch das Wort, das er verinnerlicht hat.

III.

Die Empfindung, durch Gott und sein Wort beschenkt worden zu sein, drängt geradezu zum Gebet – so löst die Heilige Schrift einen Dialog des Lesenden mit ihrem Urheber aus. Man kann Gott danken für seine Offenheit uns gegenüber, für den direkten Anspruch, den sein Wort an uns stellt, dafür dass er uns erwählt hat, Menschen zu sein, die sein Ebenbild sind.

Und es ist auch gut, im Gebet nach dem Willen Gottes zu fragen. „Was, Herr, ist dein Plan für mich? Wozu sendest du mich – in meinen konkreten Lebensumständen, als jungen Menschen, als Verheirateten oder Alleinstehenden, als Mutter oder Vater, als Ordenschristen?“

Dies führt zum letzten Schritt nach dem Lesen, Meditiern und dem Beten: dem Tun, der actio. Der im Wort Gottes ruhende Mensch erfährt, dass ihn das Eins-Sein mit ihm zum Handeln drängt. Dies ist dann keine hektische Aktivität, sondern beharrliches und der eigenen Berufung entsprechendes Mitarbeiten an Gottes Plan für die Welt und den Menschen.

 

Neuer Abtprimas der Benediktiner

In der ersten Septemberhälfte dieses Jahres fand der internationale Kongress der Benediktineräbte in Rom statt. Jedes vierte Jahr treffen die fast 260 Vorsteher der selbstständigen Klöster unseres Ordens zusammen zur geistlichen Weiterbildung, zum Austausch und heuer auch zur Wahl eines neuen Abtprimas, da der bisherige Repräsentant der benediktinischen Konföderation, Dr. Notker Wolf, nicht mehr für diese Aufgabe zur Verfügung stand.

In einem aufwändigen Verfahren wurde der Abt von Conception in Missouri, USA, Dr. Gregory Polan, zum neuen Abtprimas gewählt. Mittlerweile ist er von seinem Heimatkloster nach Rom übersiedelt, wo er wie sein Vorgänger in der Primatialabtei S. Anselmo seinen Sitz haben wird. Zu seinen Aufgaben zählt ja nicht nur die Sorge für die Benediktinerklöster auf der ganzen Welt, sondern auch für die Universität, das „Athenäum“, in dem zahlreiche Mönche ihren Studien obliegen.

In den Debatten des Kongresses war oft der Begriff „Geistliche Lesung (lectio divina)“ zu hören – als allen Benediktinerklöstern gemeinsames Merkmal. Gemeint ist ein bewusstes, langsames Lesen des Wortes Gottes und darüber hinaus anderer heiliger Schriften, sodass die Texte wirksam werden können im Mönch, der sich dadurch nach und nach von Gott verwandeln lässt. So kommt sein Gottsuchen an ein Ziel, tröstet und befreit ihn und führt ihn zur Freude des ewigen Lebens.

In den Impulsen dieses Jahres soll immer wieder von der Geistlichen Lesung die Rede sein – sie ist nicht nur etwas für Mönche und Nonnen!

 

„Generalurlaub“ im Kloster

Zwischen dem Fest des hl. Benedikt am 11. Juli und dem Patrozinium der Schottenkirche am Maria-Himmelfahrts-Tag (15. August) liegt unser „Generalurlaub“. Das bedeutet, dass die meisten Mönche nicht in Wien sind der überfälligen Erholung wegen; auch unsere Mitarbeiter im Haus sind gebeten, in diesen Wochen ihren Urlaub zu nehmen, sofern dies irgendwie möglich ist. So hat der Klosterladen im Sommer an Montagen geschlossen. Wenigstens ein Pater ist aber immer im Haus für die pastoralen Aufgaben und als „Hüter des Hauses“.

Was unternehmen die Mönche in dieser Zeit? Ich glaube, allen gemeinsam ist der Wunsch, sich außerhalb der Stadt zu erholen, vor allem der Hitze wegen, die in Wien droht und auch vor den dicken Klostermauern nicht Halt macht. Und dann besuchen manche ihre Familien oder Freunde, die man sonst nicht so oft sehen kann; manche machen „Kulturreisen“ in die nähere oder fernere Umgebung, gehen in die Berge oder verbringen Tage am Meer oder einem See; viele ziehen sich an „einsame Orte“ zurück und widmen sich dem Lesen oder Schreiben. Für die Seelsorger sind dies die Wochen der Jugendlager und ähnlicher Veranstaltungen, die zwar nicht nur Erholung bedeuten, aber immerhin einen wohltuenden „Tapetenwechsel“ mit sich bringen.
Der geistlichen Erneuerung dienen dann die Exerzitientage, die wir gemeinsam mit einem Begleiter halten. Fast eine ganze Woche kommen wir zusammen, mit den Erfahrungen der „freien“ Wochen zuvor, und rüsten uns für die Herausforderungen eines neuen Arbeitsjahres, das mit dem September beginnt.
Wir sind dankbar für diese Wochen und für die Menschen, die uns durch ihre Gastfreundschaft helfen, sie zu genießen.

Wenn Mönche auf Reisen gehen, empfangen sie vorher vom Oberen den Segen. Mit diesem Segen, hier für Sie alle, mögen auch Sie erholsame Tage erleben dürfen:
„Herr, unser Gott,
du bist das Ziel und die Erfüllung all unserer Wege.
Schütze unsere Brüder und Schwestern und bewahre sie vor allen Gefahren.
Führe sie an das Ziel ihrer Reise, lass sie mit uns verbunden bleiben und gewähre ihnen eine glückliche Heimkehr.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.“

Kontakt

Tel.: +43 1 534 98
Fax: +43 1 534 98 105
E-Mail: schotten@schottenstift.at

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Schottenstift
Benediktinerabtei
„Unserer Lieben Frau zu den Schotten“
Freyung 6, 1010 Wien

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