Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Geistliche Impulse aus dem Schottenstift

Incognito!

Im Sommer sind viele unterwegs – auch die Mönche reisen. Und fast alle schätzen es, dass man unbeschwerter sein kann, nicht gedrängt durch Terminkalender und Arbeitsprogramme. Auch an der Kleidung erkennt man den Touristen: legerer – und nicht nur das Gewand: der ganze Mensch kann „lockerer“ sein.

Mein Zeichenlehrer hat uns erzählt, warum er überhaupt nicht auf Urlaub fahre: Auf dem Hauptplatz einer wunderschönen Stadt, die er besichtigte, sei ihm – so dass es alle hören konnten – entgegengeschrien worden: „Herr Professa, sind Sie auch da?“ Dass sein Incognito so indezent aufgedeckt wurde, habe ihn dazu veranlasst, nicht mehr zu reisen. Die Reaktion halte ich für übertrieben, aber es gehört schon auch ein wenig zu diesen Ferientagen, dass wir nicht gleich erkannt werden, wenn wir es nicht wollen.

Anders ist es mit unserer Identität als Christen. Zwar werden wir unsere Konfession nicht vor uns herposaunen, doch müsste im Verhalten sichtbar werden, dass wir den anderen Menschen schätzen, auch wenn er „nur“ zum Personal eines Hotels gehört oder den Touristen sonstwie behilflich ist. Und sicher freuen sich die Bewohner unseres Urlaubsortes, wenn wir ihre Kirchen nicht nur als Kunstdenkmäler wahrnehmen, sondern darin auch beten, eine Besichtigung durch eine Besinnung ergänzen und – auch dies – die den Sonntag feiernde Kirchengemeinde am Ort dadurch ehren, dass wir ihre Gottesdienste mitfeiern. Hier braucht es kein Incognito!

„Es ist vollbracht“

Wer bei der Verkündung der Johannespassion die Stimme Jesu lesen darf, macht eine Erfahrung des Herrn mit: sein nahezu gänzliches Verstummen, je näher die Erzählung an ihr Ende kommt. Es ist ein langes Schweigen! Erst kurz vor seinem Tod spricht Jesus wieder, zunächst zu seiner Mutter und zum Jünger, den er liebte, bevor er seinen Tod geradezu als Hoheitsakt verkündet: Es ist vollbracht! Dem entspricht der Ausblick des Evangelisten: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.

Wer so spricht, muss sich seiner Sache sicher sein – so stellt das Vierte Evangelium wenigstens die Passion dar. Die Gewissheit, dass der Vater in seiner Treue den Sohn nicht fallen lässt, bringt Jesus vor Pilatus ins Wort: Ich bin in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Die Wahrheit, von der Jesus spricht, ist aber die »Treue« Gottes.

Weil Gott die Seinen nie und nimmer verlässt, deshalb steht auch die Passion Jesu unter der Treue Gottes. So bezeichnet das Wort Jesu – „Es ist vollbracht!“ – nicht die Empfindung dessen, dessen Leiden bald vorbei ist, sondern die Gewissheit des Ostersieges.

So lädt das Johannesevangelium ein, der Treue Gottes zu trauen, die den Menschen über die Abgründe des Lebens tragen kann.

1418 als entscheidendes Jahr

In der Geschichte unseres Klosters ist 1418 ein entscheidendes Jahr: Die iroschottischen Mönche, denen Herzog Heinrich II. im Jahr 1155 das Schottenkloster zugedacht hatte, hatten segensreich in der Stadt Wien gewirkt, doch ging ihre Zahl mehr und mehr zurück, sodass Herzog Leopold VI. verfügte, es müssten auch deutschsprachige Mönche im Haus auf der Freyung aufgenommen werden. Mit diesem Gedanken konnten sich die Iroschotten jedoch nicht anfreunden und kehrten samt und sonders in das Gründungskloster Regensburg zurück.

Sofort wurde die Abtei aber wieder besiedelt und besteht seitdem ohne Unterbrechung als deutschsprachiges Benediktinerkloster. Der Name „Schotten“ war aber bereits so geläufig, dass er beibehalten wurde. So steigen tausende Wiener am Verkehrsknotenpunkt „Schottentor“ oder in der U-Bahn-Station „Schottenring“ aus Straßenbahn und Untergrundbahn und gehen über die „Schottengasse“ an der „Schottenkirche“ vorbei oder über den „Schottenhof“ ins „Schottengymnasium“. Vielleicht wohnen sie im Grätzel „Schottenfeld“ in der Vorstadt oder gehen im „Schottenwald“ im Westen Wiens spazieren. Und im Kloster leben die Schottenmönche nach der Regel des heiligen Benedikt im Dienst der Menschen in der Stadt Wien. Seit 600 Jahren sprechen sie Deutsch. Damit erreichen sie hoffentlich die Herzen der Menschen, die ihnen begegnen – und sie sind unendlich dankbar, dass sie in dieser schönen Stadt Heimat gefunden haben.

Unsere Zeitrechnung und Gottes Plan

Wann beginnt ein „neues Jahr“? Genau genommen würden wir ja von einem Jahreswechsel überhaupt nichts bemerken, wenn wir keinen Kalender hätten und ohne den Silvesterlärm: Am Abend gehen wir zu Bett, und am Morgen stehen wir auf. Nichts hat sich geändert. Und doch teilen wir die Zeit in Sekunden, Stunden, Tage und Jahre. So kommen wir auf „Neujahr“.

Der kirchliche Jahreskreis

„Unser“ Neujahrsfest ist der erste Adventsonntag. Er ist begleitet durch die Segnung der Adventkränze, die feierliche Vigil und den Blick auf das nahende Weihnachtsfest, das seinerseits den Beginn einer neuen Zeitrechnung markiert. So zählen wir ja auch heute die Jahre vor oder nach Christi Geburt und alte liturgische Texte feiern die Menschwerdung des Gottessohnes als den Beginn eines neuen Äons. Wir lesen die alttestamentlichen Texte als Ankündigung einer neuen Zeit, in der die Gottesherrschaft Gestalt gewinnt, weil Gott sein Volk von neuem sammelt mit dem Auftrag, die Welt nach seinem Plan zu verändern. Das Epiphaniefest am 6. Jänner greift dies auf und verbindet es mit der zivilen Zeitrechnung, wenn es in der Liturgie das Datum der beweglichen Feste des neuen Kalenderjahres feierlich nennt und so die „christliche“ mit der „bürgerlichen“ Zeitrechnung verbindet.

Das Brauchtum um den 1. Jänner verblasst hinter diesen Markierungen etwas; lediglich in der Jahresschlussandacht wird Rückschau gehalten auf all das, was in den vorangegangenen zwölf Monaten geschehen ist. Die Frage ist ja, ob wir trotz aller Schwierigkeiten und trotz allen Leides Gott zutrauen, der „Herr der Geschichte“ zu sein. Mit dem seligen Papst Paul VI. feiern wir den 1. Jänner dann als Weltfriedenstag, weil Gottes Reich ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens ist.

Unsere Vorsätze

Ein neues Jahr sieht nach ein paar Monaten auch schon wieder „alt“ aus. Das muss nicht so sein und gelingt dann eher, wenn die Vorsätze, die wir fassen, die Perspektive Gottes aufnehmen und sich nicht in moralischen Kleinigkeiten verlieren, sondern ein wenig darauf schauen, wie wir im Glauben unsere Welt im Sinn Gottes verändern und ihr ein menschlicheres Gesicht geben können. Für eine solche „Selbstverpflichtung“ braucht es übrigens kein Neujahrsfest: damit kann man jeden Tag, jede Stunde beginnen.

Weihnachten

Für viele endet Weihnachten am 25. Dezember. Ob es ein gelungenes Fest war, weiß man dann schon; ob es sich »gelohnt« hat, entnimmt man den Angaben des Handels und erkennt es, wenn man Freude bereiten oder erfahren konnte.

Das Risiko Gottes ist größer und eine Bilanz umfasst eine längere Zeitspanne: Erfassen die Menschen, dass sie schon das Kind Jesus einlädt zur Nachfolge, zu einem Leben nach dem Evangelium, zur Umgestaltung dieser Welt?

Schön, wenn unser Gebet an der Krippe dieses »Ja« zur Berufung in das Volk Gottes enthält. Dann bleibt es hell, auch wenn die Weihnachtslichter wieder abgebaut sind. Denn das Leuchten, das aus dieser Berufung kommt, hört nicht auf.

„Den Weg des Lebens erkennen“

Wenn Sie Urlaub machen konnten, sind Sie hoffentlich alle wohlbehalten heimgekehrt und fühlen sich gestärkt – bereit für alle Herausforderungen der kommenden Tage und Wochen. Die Nachrichten von den Anschlägen in europäischen Städten haben wohl auch Sie nachdenklich gemacht und besorgt angesichts der Gewalt an im wahrsten Sinn des Wortes unschuldigen Menschen. Ist es das, was unsere Zukunft ausmachen wird: Gewalt und Angst? Und zurecht denken wir: Dies wäre kein menschenwürdiges Dasein!

Was aber gehört zu einem Leben, das wert ist gelebt zu werden? Freiheit? Materielle Sicherheit? Friede im Kleinen und Großen? Gewiss! Ich lese im Psalm 16, einem Lied, das gerne zum Tagesausklang gebetet wird: Ich habe mir den Herrn beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

„Den Weg des Lebens erkennen“: Spuren wahrzunehmen, welche Richtung ein, mein Leben hat, wo sein Sinn zu finden ist, die „Freude und Fülle“. Für mich gehört dies zum Wesentlichen meines Lebens; und ich bin Gott dankbar, dass er mir diesen Weg aufzeigt – in guten Stunden erkenne ich diese „Markierungen“. Sie nicht aus dem Blick zu verlieren, auch wenn die Tagesnachrichten uns betroffen und sorgenvoll machen, ist wahre Lebenskunst.

Vom erstaunlichen Wirken des Gottesgeistes

Bei einem Firmgottesdienst fragte ich einen jungen Burschen, der mir ein wenig gehemmt vorkam, spontan, ob er vielleicht vor etwas Angst habe. Eine mögliche Antwort wäre gewesen: Nein, ich bin nur etwas aufgeregt. Damit hätte ich jedenfalls gerechnet.

Ohne lange nachzudenken, sagte er mir aber etwa: Ich fürchte mich davor, nicht akzeptiert zu werden, ausgeschlossen zu sein. Wenige Sekunden nachdem ihm zugesprochen war: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“, hatte ihn dieser Geist dazu gebracht, die große Angst seines Lebens gegenüber dem Menschen auszusprechen, der ihn wenige Sekunden zuvor gefirmt hatte.

Für mich war diese Antwort ein schönes Geschenk des Vertrauens, und man kann sich denken, was ich dem jungen Mann gesagt habe, um ihn zu trösten und ihn einzuladen, ein wenig mehr Vertrauen in sich selbst zu haben.

Nachher ist mir in den Sinn gekommen, was wir in der Liturgie des Pfingstfestes vor dem Evangelium singen, die „Pfingstsequenz“, in der es in deutscher Übersetzung heißt: Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält, löse, was in sich erstarrt, lenke was den Weg verfehlt.

Der Gottesgeist verhelfe uns dazu, die Wahrheit unseres Lebens zu finden.

Lebe!

Auf einer Website, die sich mit Fragen der Ernährung befasst, habe ich folgende Wertung der kirchlichen Fastenzeit gefunden: „Die katholische Fastenzeit ist ein ganzheitlicher Ansatz für ein bewussteres Leben, der insbesondere auch eine bewusstere Ernährung mit einschließt. Sie kann individuell gestaltet werden. Wenn sie auch generell als Einstieg (oder regelmäßige Verfestigung) in ein ‚umgestelltes’ Leben dient, ist sie uneingeschränkt empfehlenswert – auch für Menschen, die nicht (katholisch) gläubig sind.“

„Einstieg in ein umgestelltes Leben“: das ist die Einladung des Osterfestes an alle, die die christliche Botschaft von der Ohnmacht des Todes hören. Tatsächlich ist das Leben seit der Auferstehung Christi „umgestellt“, hat eine neue Ausrichtung, deren Perspektive nicht vom Tod bestimmt wird, sondern von der Option Gottes für den Menschen: Lebe! In den Wochen der Fastenzeit könnte uns nun wirklich aufgegangen sein, was dieses Leben einschränkt: falsche Gewichtungen, Abhängigkeiten, Egoismus. Wenn wir die Osterbotschaft als Befreiung verstehen können, hängt dies auch damit zusammen, dass wir leibhaft erfahren haben, wie gut es tut, Dinge, Gewohntheiten wegzulassen, die den Blick auf erfülltes Leben verstellen.

Das „Katholische“ darin ist, dass wir die alles nicht nur als eigene Leistung, als „Lebenssport“ erbringen müssen, sondern annehmen dürfen als Geschenk Gottes, der mit der Frage: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben?“ (Psalm 34) uns meint und uns einlädt Jesus nachzufolgen im Leben, aber dann eben auch im Tod, der seine vernichtende Kraft eingebüßt hat und nicht viel mehr ist als eine weitere „Umstellung“ des Lebens.

Zur Fastenzeit

Über 250 erwachsene Taufbewerber gibt es heuer in der Wiener Diözese. Sie haben am Donnerstag nach Aschermittwoch vom Erzbischof die Zulassung zur Taufe erhalten; die meisten von ihnen werden das Sakrament in der Osternacht in ihren Pfarrgemeinden empfangen. Auch in der Schottenkirche wird eine junge Frau getauft und gefirmt werden. Gemeinsam ist den Bewerberinnen und Bewerbern, dass sie irgendwann auf einen Menschen getroffen sind, der ihnen überzeugend von der Schönheit des christlichen Glaubens erzählen konnte. So haben auch sie sich entschlossen, sich auf diesen Weg zu begeben.

In den Gottesdiensten der Fastenzeit werden die Gemeinden immer wieder eingeladen werden, für die Katechumenen zu beten und vor allem die letzten Tage vor der Taufe durch ihr Fasten zu begleiten. Dazu möchte ich auch hier einladen: dass wir den Menschen, die Christen werden wollen, ein Beispiel des Glaubens geben, das sie stärkt und den Tag ihrer Taufe mit großer Freude erwarten lässt.

„Kopf hoch!“

„Schaut auf und erhebt eure Häupter: eure Erlösung ist nah!“ Mit diesem Satz aus dem Lukasevangelium beginnen manche Frühgottesdienste in der Adventzeit. Eine unerwartete Wiederholung dieser Aufforderung konnte man auf dem Trottoir einer an das Kloster angrenzenden Straße sehen.

Es ist nicht bloß ein richtungsloses „Schauen“, ganz ohne Orientierung, sondern wir meinen den Blick zum „aufstrahlenden Licht aus der Höhe“, das im Leben der Menschen wirken will, vor allem jener, die jetzt noch „Finsternis und Todesschatten“ erfahren. So sagt das Lukasevangelium an anderer Stelle.

Oder für heute: „Kopf hoch!“ Da ist etwas, das kommt und Segen bringt: Ihnen, die dies lesen – und allen Menschen, die Ausschau halten nach Leben und Gerechtigkeit, nach Barmherzigkeit und Frieden.

Ihnen allen mache das Weihnachtsfest Freude und lasse uns das unerschütterlich treue Interesse Gottes an den Menschen und an unserer Welt glauben.

Ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest wünschen die Mönche der Schottenabtei und Abt Johannes: „Kopf hoch!“

Kontakt

Tel.: +43 1 534 98
Fax: +43 1 534 98 105
E-Mail: schotten@schottenstift.at

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Schottenstift
Benediktinerabtei
„Unserer Lieben Frau zu den Schotten“
Freyung 6, 1010 Wien

Schottenstift