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Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Dachluhr von Philipp Fertbauer

Ein Foto von etwa 1913 beweist, dass die Fertbauer-Uhr ein Ausstattungsstück der Prälatur (der alten Abtwohnung) war. Nachdem die Uhr lange in einem Depot verschwunden war, ist sie im Februar 2019 wieder in die Räume zurückgekehrt, in denen sie schon früher gehangen hat.

Die Uhr repräsentiert eine Frühform der Wiener Dachluhr. Der Kasten verjüngt sich nach unten keilförmig sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Das ist nicht naheliegend, denn gerade unten wird Platz benötigt: Die Pendellinse braucht Platz zum Schwingen, und in der Tiefe müssen sich Gewicht und Linse hintereinander ausgehen. Die Entwurfsidee ist elegant, aber unpraktisch.

Die Ausführung entspricht dem ambitionierten Entwurf. Der Kasten besteht aus einem Corpus aus Eichenholz, der mit (etwas blassem) Mahagoni furniert wurde. Von sehr feiner Qualität sind die feuervergoldeten Appliken.

Die Uhr ist am Ziffernblatt von Philipp Fertbauer signiert. Fertbauer (geboren um 1763) zählte zu den besten Wiener Uhrmachern seiner Zeit. Der schmuckhafte Charakter unserer Uhr und ihre gesuchte, aber nicht ganz ausgereifte Form deuten auf eine relativ frühe Entstehung – um etwa 1790/95.

Die Uhr zeigt die Stunden, die Minuten, die Sekunden und das Datum. Das Werk ist gekapselt – das heißt separat mit Glas verschlossen. Das Pendel hat eine sogenannte Schneideaufhängung: Es dreht sich auf einer gehärteten Schneide, die in zwei Kerben eingesetzt ist. Die Gangdauer beträgt eine Woche.

Die Uhr hat im Lauf der Zeit einiges mitgemacht. Besonders übel wurde dem Datumswerk mitgespielt; dessen Verhunzung wurde bei der aktuellen Restaurierung rückgebaut. Die Beschriftung des Ziffernblatts wurde einmal nachgezogen. Ein schlimmer Schaden war schließlich ein Bruch des Pendelstabs oberhalb der Pendellinse. Der Stab wurde seinerzeit mit einer Metallmanschette notdürftig repariert. Wir haben diese Lösung ästhetisch verbessert, aber im Grunde beibehalten, da wir sonst den Pendelstab hätten ersetzen müssen. Dieser ist aber original.

Die Uhrmacherarbeiten der aktuellen Kampagne oblagen Michael Ramsauer (Firma Kalivoda). Richard Addison restaurierte den Kasten.

P. Augustinus Zeman

Literatur zu Philipp Fertbauer: Jürgen Abeler, Meister der Uhrmacherkunst, Wuppertal 20102, S. 152.

 

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