Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Aufstecken des Turmkreuzes

Im Juni 2017 war das Kreuz der Schottenkirche wegen schwerer Schäden vom Turm genommen worden (der Bericht darüber hier). In den Monaten danach wurde es in seine Einzelteile zerlegt und von Grund auf saniert. Die intensive Beschäftigung mit dem Kreuz führte zu interessanten Erkenntnissen über dessen Konstruktion und Alter.

Das Kreuz besteht aus einer eisernen Stützkonstruktion, die mit Kupferplatten verkleidet ist. Die Stöße der Kupferplatten sind offen – sie waren nie verlötet oder abgedichtet. Regnet es stark, tritt an den Stößen Wasser ein. Das ist an sich nicht schlimm, denn das Wasser rinnt unten wieder heraus, und was nicht herausrinnt, entweicht als Dunst. Das Problem war, dass die eiserne Stützkonstruktion seit der Entstehungszeit blank lag: Sie hatte keinen Schutzanstrich. Obwohl altes Schmiedeeisen weniger rostanfällig ist als modernes, hielt es dem Kontakt mit Wasser auf die Dauer nicht stand. Es rostete massiv. Der wuchernde Rost trieb die Kupferbleche nach außen, sodass die offenen Stöße auseinandergingen und noch mehr Wasser eintrat. Am Fuß des Kreuzes war das Eisen fast durchkorrodiert.

Da das Eisengerüst an sich eine gute, alte Schmiedearbeit ist, wollten wir es soweit möglich erhalten. Nur die Stellen, die nicht zu retten waren, wurden durch neues Schmiedeeisen ersetzt. Die alten Teile wurden entrostet und schließlich das wiederhergestellte Gerüst mit einem ölgebundenen Bleiminiumanstrich gestrichen.

Die Kupferverkleidung wurde ausgerichtet, gereinigt und blattvergoldet.

Das Kreuz misst 2,5m und wiegt 71 kg (beides ohne Kugel). Auf dem Turm steht es in 55m Höhe.

Das genaue Alter des Kreuzes ist schwer zu bestimmen. Die Stützkonstruktion ist eine vorindustrielle Schmiedearbeit. Sie datiert also spätestens aus dem 19. Jahrhundert. Um ein weniges genauer gelingt die Datierung der Kupferbleche. Bei der Restaurierung kam unter späteren Anstrichen eine reduzierte, qualitätsvolle Feuervergoldung zu Tage (die natürlich erhalten wurde). Da diese entstehungszeitliche Vergoldung an einigen Stellen vollkommen abgebaut war, muss sie lange der Witterung ausgesetzt gewesen sein. Es heißt, eine gute Feuervergoldung würde im Freien 200 Jahre lang halten. Wir wissen nicht genau, wann die Feuervergoldung unseres Kreuzes das erste Mal überstrichen wurde. Wenn man annimmt, dass es im 20. Jahrhundert war, rückt die Datierung der Außenbleche in das 18. Jahrhundert.

Eindeutig aus dem 20. Jahrhundert datiert eine Überarbeitung des Kreuzes. Man dürfte damals die Bleche an einigen Rändern grob beschnitten haben. Außerdem ersetzte man fast alle Schrauben durch moderne metrische Schrauben mit besonders hässlichen (inakzeptablen) Muttern. Glücklicherweise ist genau eine Zollschraube mit alter Mutter erhalten geblieben. Nach ihrem Vorbild wurden bei der Restaurierung die neuen Schrauben ersetzt.

Die Montage des Kreuzes war spektakulär. Es wurde mit einem Kran in die Höhe gehoben und von Ulrich Sukup vom Seil aus auf den Dorn bugsiert. Das sah halsbrecherisch aus, doch Herr Sukup weiß, was er macht: Er hat sich mit seiner Firma auf derartige Arbeiten spezialisiert.

Auch sonst lag die Sanierung in bewährten Händen. Die Schmiedearbeiten besorgte die Firma Sigfried Steiner, die Restaurierungsarbeiten die Firma Elisabeth Krebs.

In den meisten Turmkreuzen sind Segenszeichen hinterlegt: geweihte Rosenkränze, Medaillen und Reliquien. Auch bei unserem Kreuz kam bei der Demontage in der Kugel ein Depositum zum Vorschein: eine schön geformte, kupferne Schatulle in der Größe einer gut bemessenen Jausenbox. Schnell stellte sich heraus, dass diese Schatulle nur mit dem Preis der Beschädigung zu öffnen war. Wir standen vor einem Dilemma. Die Neugierde war groß zu erfahren, was in ihr verborgen lag. Letztlich schien es mir aber frevelhaft, ein so schönes, segensvolles Objekt gewaltsam aufzumachen. Die Schatulle blieb intakt. Ulrich Sukup schob sie während der Montage in die Kugel, knapp bevor diese am Dorn aufsaß.

Ein Wort noch zur Form des Kreuzes. Das Kreuz der Schottenkirche ist ein sog. Exemtionskreuz. Ein solches hat zwei Querbalken. Es zeigt an, dass es sich um die Kirche eines exemten (das heißt vom Bischof unabhängigen) Klosters handelt. Der unabhängige Status ist bei Benediktinerabteien für gewöhnlich gegeben. Doppelkreuze sind außerdem auch das Zeichen von Bischofskirchen. Kreuze mit drei Querbalken sind päpstlichen Kirchen vorbehalten.

P. Augustinus Zeman

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