Lernen am Schottengymnasium

Das Schottengymnasium ist nicht nur Teil der Gemeinschaft rund um das Schottenstift, sondern auch eine Schule mit besonders langer Tradition. Auch heute liegt uns eine umfassende Ausbildung – dank eines modern gestalteten Unterrichts – genauso am Herzen wie religiöse Begleitung und wertschätzendes Miteinander.

 

Geschichte des Schottengymnasiums

Vor der Gründung

Im Mittelalter ist bereits ab dem frühen 14. Jahrhundert eine Schule im Schottenstift nachweisbar, zunächst aber wohl nur für die eigenen Klosterangehörigen bzw. -anwärter. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts war die Schule bei den Schotten eine von vier Schulen in Wien, an denen das Trivium (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) gelehrt wurde.

Bereits aus dem Jahr 1515 ist die erste Theaterproduktion von Schottenschülern nachweisbar, als Schüler des Schottenstiftes am Wiener Fürstentag ein Huldigungsspiel des späteren Abtes Benedictus Chelidonius zur Aufführung brachten. Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts waren unter anderen Wolfgang Schmeltzl und Johann Rasch Schulmeister bei den Schotten.

1719 gründete der Schottenabt Karl Fetzer ein Gymnasium, an dem weltliche Schüler die philosophischen Kurse besuchen durften. Der Besuch dieser Schule als Externist war aber nur Kindern aus adeligen bzw. hochrangigen Verhältnissen möglich. Dieses Gymnasium wurde jedoch schon 1741 wieder aufgelöst.

 

Gründung des heutigen Schottengymnasiums

Da die bestehenden drei Gymnasien in Wien (Akademisches Gymnasium, Piaristengymnasium, Annaeum) vor allem in den Unterstufenklassen vollkommen überlastet waren, forderte 1804 die Wiener Landesregierung den Schottenabt Benno Pointner auf, ein weiteres Gymnasium einzurichten, wozu sich dieser vorerst jedoch aufgrund mangelnder Ressourcen außerstande erklärte.

Doch schon am 16. Jänner 1806 befahl Kaiser Franz I. in einem kaiserlichen Dekret abermals die Errichtung eines neuen Gymnasiums und gleichzeitig die Übertragung des Annaeums von St. Anna an den neuen Standort. Im folgenden Jahr, am 4. November 1807, wurde das Schottengymnasium unter Pointners Nachfolger Abt Andreas Wenzel eröffnet.

 

Von der Gründung 1807 bis zur Schließung 1938

1809 musste das Gymnasium aufgrund der Besetzung Wiens durch die Franzosen kurze Zeit schließen. 1819 wurden erstmals auch die unterrichtenden Mönche des Schottenstiftes verpflichtet, eine Lehramtsprüfung abzulegen.

Das neue Gymnasium wurde von Kindern des Adels wie auch des Wiener Bürgertums besucht. Gerade Kinder aus der Hocharistokratie waren häufig Externisten. Im Jahr 1825 verzeichnete das Gymnasium mit insgesamt 495 Schülern seinen bis dato absoluten Schülerrekord.

Schüler und Absolventen des Gymnasiums

Obwohl das Schottengymnasium eine katholische Privatschule ist, fanden im Sinne einer katholischen Offenheit beinahe von Anfang an auch Angehörige anderer Konfessionen (erstmals 1810) und Religionen (erster jüdischer Schüler 1817) hier Aufnahme. 1878 hatte das Gymnasium über 70 jüdische Schüler. Der Besuch des Religionsunterrichtes ist auch heute noch für alle Schüler des Gymnasiums verpflichtend, wobei jeder Schüler den Unterricht seines eigenen Bekenntnisses besucht.

Besonderes Ansehen genießt das Schottengymnasium nicht zuletzt aufgrund der großen Zahl ehemaliger Schüler und Absolventen, die sich in Politik, Kultur, Wissenschaft und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens hervorgetan haben. Kaiser Karl I. war ebenso Schottenschüler wie drei Generationen der regierenden Fürsten von Liechtenstein. Zu den Absolventen zählen ein österreichischer, ein ungarischer und vier cisleithanische Ministerpräsidenten, ein österreichischer Bundeskanzler, zehn cisleithanische bzw. österreichische Minister sowie zahlreiche Abgeordnete auf Staats- und Landesebene.

Unter den wissenschaftlich tätigen Absolventen finden sich mehrere Rektoren und Dekane verschiedener Universitäten und Fakultäten. Das Schottengymnasium hat bisher drei Nobelpreisträger hervorgebracht: 1927 erhielt Julius Wagner-Jauregg für die Entwicklung der Malariatherapie den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die gleiche Auszeichnung empfingen Konrad Lorenz und Karl von Frisch 1973 für ihre Arbeiten im Bereich der vergleichenden Verhaltensforschung.

Auch die Liste der Kulturschaffenden unter den ehemaligen Schülern ist lang und umfasst zahlreiche Schriftsteller, Dramatiker und Dichter, Maler und Musiker, Schauspieler und Theaterdirektoren. Nicht wenige ehemalige Schüler konnten zudem wirtschaftliche Schlüsselpositionen erlangen, andere wiederum schlugen eine kirchliche Laufbahn ein.

 

In der Folge der Märzrevolution von 1848 und der daraus resultierenden Umstrukturierung des Unterrichtssystems führte das Gymnasium ab 1849 acht Klassen. Der Unterricht wurde nun von Fachlehrern geleitet. 1850 wurde erstmals die Matura am Schottengymnasium abgelegt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Schulräumlichkeiten stark erweitert und mit dem eigentlichen Klostergebäude verbunden.

Der Erste Weltkrieg bedeutete auch für das Schottengymnasium einen gewaltigen Aderlass. Mit Kaiser Karl I. stand aber ab 1916 ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums an der Spitze des Staates.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Schottengymnasium im Herbst 1938 als konfessionelle Schule von den Nationalsozialisten geschlossen. Die Schüler mussten in andere Gymnasien wechseln. 1938 bis 1945 wurden die Schulräumlichkeiten bei den Schotten vom Gymnasium Wasagasse verwendet.

 

Von der Wiedereröffnung 1945 bis heute

1945 wurde das Schottengymnasium wiedereröffnet, sodass 1953 die ersten Schüler wieder bei den Schotten maturieren konnten. Bereits 1947 hatte sich der Verein der Alt-Schotten konstituiert.

Im Jahr 1967 erhielt das bis dahin rein humanistische Schottengymnasium einen neusprachlichen Zweig. 1970 gab es erstmals wieder zwei erste Klassen, nachdem es fast 100 Jahre hindurch nur einen Klassenzug gegeben hatte. In den Folgejahren wurden zahlreiche Baumaßnahmen gesetzt, unter denen die Aufstockung des Hauptgebäudes (mit Dachterrasse) wohl die markanteste ist.

Das neue Millennium war bei den Schotten bislang vor allem durch zwei Aspekte gekennzeichnet: Zum einen erneut durch umfangreiche Um- und Zubauten (etwa Turnsaal und Festsaal), zum anderen durch die Einführung der Koedukation im Jahr 2004. Bis dahin war das Schottengymnasium Wiens letzte reine Knabenschule gewesen, obschon vor allem in der Zwischenkriegszeit vereinzelt Mädchen (meist als Externistinnen) in die Schule aufgenommen worden waren.

Der Lehrkörper des Gymnasiums

Den Lehrkörper des Schottengymnasiums bildeten ursprünglich zur Gänze Benediktiner des Schottenstiftes. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert waren diese zudem häufig auch Absolventen des Schottengymnasiums. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden einzelne Freigegenstände von externen weltlichen Lehrern unterrichtet. Die ersten regulären weltlichen Professoren gab es aber erst ab den 1920er-Jahren für die Fächer Turnen, Zeichnen und Handfertigkeit. Ab den 1930er-Jahren unterrichteten weltliche Lehrer auch andere Gegenstände.

Seit der Wiedereröffnung des Gymnasiums nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Anzahl der Lehrer, die nicht Benediktinermönche des Schottenstiftes sind, stetig gestiegen; die weltlichen Professoren machen gegenüber den geistlichen Professoren inzwischen über 90 Prozent des Lehrkörpers aus. Auch der Direktor des Gymnasiums ist seit 2016 (wie bereits von 1989 bis 2004) kein Angehöriger des Schottenkonvents. Seit den 1990er-Jahren unterrichten auch Lehrerinnen am Schottengymnasium.

Viele der Professoren vor allem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erlangten aufgrund ihrer meist wissenschaftlichen Tätigkeiten auch über die Grenzen der Schule hinweg Bedeutung. Forschungs- und Betätigungsfelder waren vor allem die Germanistik und die Klassische Philologie, die Naturwissenschaften und die Geschichte. Mehrere Lehrer des Schottengymnasiums waren außerdem Rektoren und Dekane an der Universität Wien.

 

Mehr Informationen zur Geschichte des Schottengymnasiums sowie eine Liste berühmter Absolventen finden sich auf Wikipedia.

 

 

Literatur

Albert Hübl: Geschichte des Unterrichtes im Stifte Schotten in Wien (Wien 1907).

Johannes Jung, Gerhard Schlass, Friedrich Wally, Edgar Weiland: Das Schottengymnasium in Wien. Tradition und Verpflichtung (Wien–Köln–Weimar 1997).

Manfred Anselgruber u.a.: Das Schottengymnasium unter dem Hakenkreuz. In: Festschrift Schottengymnasium der Benediktiner in Wien, Jubiläumsjahr 2007 (Wien 2007) 25–40.

Hinweis

Für die ersten Klassen in den Schuljahren 2018/19 und 2019/2020 können leider keine Anmeldungen mehr angenommen werden.
Allgemeine Informationen zur Anmeldung

finden Sie hier.

Kontakt

Öffentliches Schottengymnasium der Benediktiner in Wien
Freyung 6, 1010 Wien
Telefon: +43 1 534 98 318
Fax: +43 1 534 98 305
E-Mail: sekretariat@schottengymnasium.at 

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