Lernen am Schottengymnasium

Das Schottengymnasium ist nicht nur Teil der Gemeinschaft rund um das Schottenstift, sondern auch eine Schule mit besonders langer Tradition. Auch heute liegt uns eine umfassende Ausbildung – dank eines modern gestalteten Unterrichts – genauso am Herzen wie religiöse Begleitung und wertschätzendes Miteinander.

 

Rund um’s Lesen

Lehren und Literatur: Ein Interview mit VERENA SWOBODA,
Lehrerin am Schottengymnasium und Autorin des Buches „Süchtig nach Likes“

Das Interview wurde von den beiden Schülerbibliothekarinnen Caroline Hinner und Anna Kristoferitsch (5c) geführt.

 

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Wenn ja, welches?

Ein Lieblingsbuch ist schwierig. Ich habe auf jeden Fall einen Lieblingsautor: Wolf Haas. Ich liebe seine Brenner-Romane. Sehr fasziniert haben mich sonst noch Goethes „Faust“ und alle Harry-Potter-Romane.

Was hat Sie dazu inspiriert, selbst ein Buch zu schreiben?

Das war eigentlich nicht mein Plan. Ich habe bei einem Schreibwettbewerb einen Kurztext zum Thema „Social Media“ verfasst und eingeschickt. Dies war ein Tagebucheintrag einer jungen Frau, deren Leben sehr stark von Facebook bestimmt wird. Ich habe bei dem Wettbewerb nicht gewonnen, aber kam unter die ersten zwanzig und bekam den Tipp, aus der Idee einen längeren Text zu machen.

Was hat Sie dazu bewogen, das Thema „Soziale Netzwerke“ zu wählen?

Einerseits der oben erwähnte Schreibwettbewerb, andererseits auch Freundinnen und Freunde, die bei unseren Treffen oft mehr auf ihre Handys als auf unsere Gespräche fixiert waren.

Wie lange hat es gedauert, „Süchtig nach Likes“ zu schreiben?

Alles in allem etwa ein Jahr.

Basiert die Geschichte auf persönlichen Erlebnissen oder ist sie erfunden?

Die Haupthandlung, also die Abhängigkeit von Facebook, ist in diesem Ausmaß erfunden. Einige Nebenhandlungen sind an persönliche Ereignisse angelehnt, andere stammen von Erzählungen, die ich interessant fand.

Nutzen Sie selbst soziale Netzwerke? Wenn ja, welche ?

Ich selbst nutze Whatsapp, Facebook und Instagram. Wobei ich Whatsapp sicher am häufigsten verwende, hauptsächlich, um Termine auszumachen und Informationen auszutauschen, aber teilweise auch mit Freunden einfach nur zum Spaß. Facebook verwende ich aktiv hauptsächlich zum Teilen meiner „schriftstellerischen“ Tätigkeiten. Passiv lese ich auch den Newsfeed, wenn mir langweilig ist, also beispielsweise in der U-Bahn. Instagram nutze ich eher sporadisch.

Würden Sie Ihren Kindern die Nutzung sozialer Netzwerke erlauben?

Ja, ich denke, ich würde es erlauben, wenn sie selbst darauf kommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht viel von Verboten allgemein halte, da sie einerseits oft zum Übertreten einladen und andererseits das Lernen eines vernünftigen Umgangs mit beispielsweise sozialen Netzwerken verhindern. Ich würde versuchen als gutes Beispiel voranzugehen und viel mit meinen Kindern darüber sprechen, um zu erfahren, wozu sie soziale Netzwerke nutzen, und um sie beraten zu können. Des Weiteren würde ich meinen Kindern erst nach der Volksschule ein Handy kaufen, da sie zuerst lernen sollten, sich im realen Leben zu organisieren, ohne in jeder Situation jemanden anrufen zu können bzw. im Internet nach Hilfe zu suchen. Aus der Zukunft wegzudenken sind soziale Netzwerke und zunehmender Medienkonsum aus momentaner Sicht nicht, deshalb wäre auch ein Verbot meiner Meinung nach der falsche Weg.

Wie haben Sie es geschafft, Buch und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Letztes Schuljahr war ich in der Schule nicht voll angestellt, dadurch hatte ich mehr Zeit, dem Schreiben nachzugehen. Zusätzlich war ich im Juni 2015 wegen eines Bandscheibenvorfalls in Krankenstand. In dieser Zeit konnte ich nicht viel machen außer spazieren gehen und lesen. Diese Zeit habe ich genutzt, um mein Buch fertigzustellen. Sonst hätte ich bestimmt noch länger gebraucht. Das war für mich mental eine große Stütze, denn so fiel es mir leichter, auch in meiner Verletzung etwas Positives zu sehen.

Hatten Sie zwischendurch auch einmal mit Schreibblockaden zu kämpfen?

Nein, nicht wirklich. Da ich immer nur geschrieben habe, wenn mir etwas eingefallen ist, ist es nicht dazu gekommen. Ich habe mich nie hingesetzt und begonnen zu schreiben bzw. es versucht, ohne vorher zu wissen, was in etwa ich zu Papier bringen möchte.

Wer hat Ihnen beim Schreiben des Buches geholfen bzw. Sie dabei unterstützt?

Eine Freundin, die auch Sport und Deutsch Lehramt unterrichtet, hat mir vor allem beim Erstellen des Exposés sehr geholfen und auch teilweise beim Korrekturlesen. Sonst hauptsächlich Lektoren oder andere Autoren, die ich – in Bezug auf den Inhalt des Buches lustigerweise – über Facebook kennengelernt habe. Und natürlich Freunde und Familie, die mich unterstützt haben, indem sie mir Zeit und Raum ließen, ein Buch zu verfassen.

Haben Sie vor, noch weitere Bücher zu verfassen und zu veröffentlichen?

Verfassen möchte ich auf jeden Fall noch weitere Bücher. Momentan schreibe ich gerade an einer Romanfassung von Goethes „Faust“ und habe noch einige andere Ideen, die ich umsetzen möchte. Vor allem schreibe ich für mich selbst. Es hilft mir oft den Kopf freizubekommen. Wenn es wieder soweit kommt, dass ein Verlag auf mein Buchprojekt aufmerksam wird und sich dafür interessiert, dann freue ich mich sehr über eine weitere Veröffentlichung. Was ich allerdings vermeiden möchte, ist, dass mehr Zeit für die Verlagssuche, Werbung etc. aufzubringen ist als für das Schreiben selbst.

Wo schreiben Sie? Benutzen Sie einen Computer oder fertigen Sie handschriftliche Notizen an?

Bei „Süchtig nach Likes“ habe ich hauptsächlich in Kaffeehäusern geschrieben bzw. eine Zeit lang einfach immer dort, wo ich gerade war; sehr selten zu Hause. Ich habe zum Verfassen des Buches – bis auf ein paar kleine Notizen – fast ausschließlich den Computer verwendet. Bei meinem neuen Projekt ist es anders. Ich habe bis jetzt nur handschriftliche Notizen, und davon schon sehr viele. Sie stehen alle in einem A5-Heft, das von außen wie ein Reclamheft aussieht, aber eigentlich ein Block ist. Ich möchte erst, nachdem ich das ganze Werk durchskizziert habe, mit dem eigentlichen Schreiben des Romans am Computer beginnen. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich momentan nur zu Hause schreibe, was bestimmt daran liegt, dass ich für die Skizze meines Werkes viel Sekundärliteratur brauche, die ich nicht immer mittragen möchte, aber auch daran, dass ich jetzt einen richtigen Schreibplatz zu Hause habe.

Wie ist Ihr Schreibtisch eingerichtet?

Mein Schreibtisch war früher sehr unordentlich bzw. hatte ich eigentlich keinen. Ich habe, wenn zu Hause, immer am Küchentisch geschrieben. Seit kurzem habe ich einen riesigen Schreibtisch, der immer noch unordentlich ist, aber so groß, dass immer noch Platz zum Schreiben bleibt.

Welche Ratschläge können Sie jungen Autorinnen und Autoren mit auf den Weg geben?

Junge Autorinnen und Autoren sollten darauf vorbereitet sein, dass es, was auch immer sie schreiben, auch negative Kritiken geben wird. Dies habe ich selbst erfahren und musste erst lernen, damit umzugehen. Auch aus diesen kann man viel lernen. Genauso wie negative gibt es aber immer auch positive Kritik. Manchmal muss man vielleicht erst suchen, wo sich die Leserinnen und Leser verstecken, denen die eigenen Werke gefallen, aber es gibt sie immer. Wenn man von seinem Werk begeistert ist und sich eine Veröffentlichung wünscht, wird es in den meisten Fällen funktionieren. Des Weiteren würde ich raten, Leseproben nicht nur an Freunde und Familie zu verteilen, da diese fast immer begeistert sind von dem, was man tut – und das ist auch gut so. Kritiken, Tipps und Tricks von Außenstehenden können beim Verfassen eines Buches sehr hilfreich sein. Bevor man beginnt zu schreiben, ist es hilfreich, wenn man schon viel gelesen hat, vor allem in dem Genre, in dem man schreiben möchte. Situationen und Erlebnisse, die man selbst erlebt hat, eignen sich sehr gut auch für die eigenen Werke. Natürlich gibt man dadurch viel von sich preis, aber es zahlt sich aus, denn eigene Erlebnisse und Gefühle kann man viel authentischer beschreiben als Situationen, in denen man noch nie selbst war. Der wichtigste Tipp ist, den Spaß am Schreiben zu behalten, dann hat man das Wichtigste schon erreicht.

Hinweis

Für die ersten Klassen in den Schuljahren 2018/19 und 2019/2020 können leider keine Anmeldungen mehr angenommen werden.

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Kontakt

Öffentliches Schottengymnasium der
Benediktiner in Wien
Freyung 6, 1010 Wien
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