Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Rote Kasel aus der Zeit um 1720

Die Kasel ist Teil eines ungewöhnlich umfangreichen Ornats, der allein an Kaseln sechs gleichgestaltete Stücke zählt. Leider geben die Inventare und Rechnungsbücher keinen Hinweis auf die Entstehungsumstände und auf den Erwerb des Ornats. Stilistisch kann der Stoff mit dem dichten, stilisierten Muster um 1720 datiert werden.

Der Stoff ist insofern interessant, als er Stoffe höchster Qualität auf einer etwas niedrigeren Qualitätsstufe imitiert. Er ist keineswegs grob, aber eben auch nicht so fein, wie es französische und italienische Stoffe dieser Zeit gewesen sind. Gut möglich, dass er in einer Wiener Weberei nach fremden Vorlagen entstanden ist. (Zur Wiener Seidenweberei siehe http://www.schotten.wien/stift/museum/kasel-1720/) Dabei handelt es sich noch immer um ein Luxusprodukt, das nur einer kleinen Käuferschicht zugänglich war.

Die Grundfarbe des Ornats ist Rot. Die Farbe Rot wird liturgisch an Apostel- und Märtyrerfesten, am Palmsonntag und Karfreitag, zu Pfingsten und zu Kreuzerhöhung verwendet. Die liturgischen Farbregeln wurden im Barock allerdings offen ausgelegt. Kostbare, mit Silber und Gold durchwirkte Stoffe konnten de facto an allen Festtagen verwendet werden.

Die Kasel trägt Spuren von Reparaturen, die uns heute vielleicht stören, denen wir aber die Erhaltung des Textils verdanken. Erster Schwachpunkt sind meistens die Goldfäden: Der metallene Lahn (also die dünne, um eine Seidenseele gewickelte Goldfolie) ist schnell durchgerieben. Um die Kasel weiterhin benutzen zu können, hat man die goldenen Partien teilweise mit der Maschine überstickt (tamburiert).

Die Velen des Ornats (die annähernd quadratischen Tücher zum Verhüllen des Kelches) stammen erst aus dem 19. Jahrhundert. Sie zeigen Getreideähren und Weintrauben als Symbole für die eucharistischen Gaben Brot und Wein. Interessanterweise war die Andersartigkeit dieser Velen kein Hindernis, sie dem barocken Ornat zuzuordnen. Ein gutes Beispiel dafür, wie unbefangen man auch mit kostbaren Paramenten umgegangen ist!

P. Augustinus Zeman

 

 

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