Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Die Kasel des P. Beda

Dagmar Sachsenhofer ist Kunsthistorikern mit dem Spezialgebiet Paramente. Als Frau Sachsenhofer die historischen Inventare unserer Paramentenkammer durchsah, fand sie eine Eintragung, die sich mit großer Sicherheit auf ein erhaltenes Messgewand beziehen lässt. Das Inventar von 1776 verzeichnet ein „pur goldenes, in der Mitte mit Genille Blumen gesticktes“ Messgewand. Auffallend ist die Formulierung „pur golden“. Nun gibt es in der Paramentenkammer eine Kasel, die durch die Art ihres Goldgrundes aus dem Rahmen fällt. Messgewänder mit viel Gold sind im 18. Jahrhundert keine Seltenheit. Das Besondere dieser Kasel ist, dass der Goldgrund nicht durch Ornamente und plastische Effekte strukturiert ist, sondern eine gleichmäßige, glatte Fläche bildet. Die Formulierung „pur golden“ ist sehr zutreffend.

Passend ist auch die Beschreibung der Stickerei am Mittelstab der Kasel. Es handelt sich um Blumenbouquets, die mit sogenannten Chenillefäden gestickt sind. Das sind Seidenfäden, in die kurze, quer liegende Fäden eingesponnen sind. Chenillefäden sind ein typisches Material des 18. Jahrhunderts. Man erkennt sie leicht an ihrer samtigen Struktur. Weil die Fäden stärker sind, setzen sich Chenillestickereien besonders deutlich vom Grund ab. Wegen der Fadenstärke wirken die Stickereien auch immer ein wenig unscharf. Wollte man Detailgenauigkeit und chromatische Abstufungen erreichen, arbeitete man mit glatten Seidenfäden.

Auf dem ungewöhnlich gleichmäßigen Goldgrund unserer Kasel kommt die Chenillestickerei besonders gut zur Geltung. Der ästhetische Effekt der satten, bunten Farben vor flimmerndem Gold lässt an mittelalterliche Mosaike oder an gewisse Buchmalereien denken. Das sind freilich Assoziationen. Das 18. Jahrhundert hat daran sicher nicht gedacht.

Ein besonderer Glücksfall ist, dass das Inventar von 1776 auch den Anlass zur Anfertigung der Kasel angibt. Die Kasel wurde dem Schottenmönch P. Beda Edelpauer von seinen Eltern zur Primiz geschenkt. Die Primiz ist die erste Messe, die ein neugeweihter Priester feiert. Wann P. Bedas Primiz war, konnte bisher nicht ermittelt werden. Was wir wissen ist, das P. Beda am 1. Jänner 1750 die Profess abgelegt hat und dass er am 31. August 1762 im 31. Lebensjahr gestorben ist. Da die Priesterweihe zu dieser Zeit in der Regel bald nach der Profess gespendet wurde, darf man annehmen, dass P. Beda 1750 oder 51 geweiht wurde.

Es kommt selten vor, dass ein Messgewand eine persönliche Geschichte erzählt. Welcher Mensch mag P. Beda gewesen sein? Wir wissen es nicht. Wir haben nur dieses außergewöhnliche Geschenk von einem der wichtigsten Tage seines Lebens.

P. Augustinus Zeman

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