Im Sommer sind viele unterwegs – auch die Mönche reisen. Und fast alle schätzen es, dass man unbeschwerter sein kann, nicht gedrängt durch Terminkalender und Arbeitsprogramme. Auch an der Kleidung erkennt man den Touristen: legerer – und nicht nur das Gewand: der ganze Mensch kann „lockerer“ sein.

Mein Zeichenlehrer hat uns erzählt, warum er überhaupt nicht auf Urlaub fahre: Auf dem Hauptplatz einer wunderschönen Stadt, die er besichtigte, sei ihm – so dass es alle hören konnten – entgegengeschrien worden: „Herr Professa, sind Sie auch da?“ Dass sein Incognito so indezent aufgedeckt wurde, habe ihn dazu veranlasst, nicht mehr zu reisen. Die Reaktion halte ich für übertrieben, aber es gehört schon auch ein wenig zu diesen Ferientagen, dass wir nicht gleich erkannt werden, wenn wir es nicht wollen.

Anders ist es mit unserer Identität als Christen. Zwar werden wir unsere Konfession nicht vor uns herposaunen, doch müsste im Verhalten sichtbar werden, dass wir den anderen Menschen schätzen, auch wenn er „nur“ zum Personal eines Hotels gehört oder den Touristen sonstwie behilflich ist. Und sicher freuen sich die Bewohner unseres Urlaubsortes, wenn wir ihre Kirchen nicht nur als Kunstdenkmäler wahrnehmen, sondern darin auch beten, eine Besichtigung durch eine Besinnung ergänzen und – auch dies – die den Sonntag feiernde Kirchengemeinde am Ort dadurch ehren, dass wir ihre Gottesdienste mitfeiern. Hier braucht es kein Incognito!