Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Gotische Holzskulpturen der Apostel Petrus und Paulus

Die Skulpturen der beiden Apostelfürsten fristeten viele Jahre lang ihr Dasein in einem Kämmerchen des Klosters. Um diesen Zustand zu beenden, suchte das Kloster den Kontakt mit der Restaurierklasse der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Die Akademie vergab die Restaurierung als Diplomarbeit an Frau Ulrike Palm. Frau Palm erwarb sich mit der Arbeit nicht nur den akademischen Abschluss, sie wurde auch mit dem Würdigungspreis der Akademie belohnt.

Die beiden Skulpturen stellen die Apostel Petrus und Paulus dar. Sie entstanden um das Jahr 1500 in einer süddeutschen Werkstatt. Ohne Zweifel handelt es sich um ehemalige Schreinfiguren eines Flügelaltars.

Bei der aktuellen Restaurierung wurden die beiden Skulpturen nach allen Regeln der Kunst befundet und untersucht. Wie die meisten derartigen Skulpturen wurden auch die Apostel im Lauf der Jahrhunderte mehrmals übermalt. Nur die Inkarnate und Haare blieben von den Überfassungen verschont. Hier zeigen die Figuren also noch die originale gotische Bemalung. Die Gewänder hingegen wurden bis zu drei Mal überfasst. Die letzte Fassung stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert.

In der Akademie wurden die Skulpturen auch naturwissenschaftlich unter die Lupe genommen. Man bestimmte das Holz (leichte Aufgabe: Linde). Man versuchte das Fälldatum des Holzes dendrochronologisch zu bestimmen (schwierige Aufgabe – funktioniert bei Linde nicht). Man nahm Materialproben von der Grundierung und von den Farben und bestimmte deren chemische Zusammensetzung.

Die beiden Apostelfiguren repräsentieren gotische Holzschnitzerei auf höchstem Niveau. Die Gesichter sind charaktervoll und beseelt. Wichtige Ausdrucksträger sind auch die sensiblen, „gotischen“ Hände. In den sorgfältig gestalteten Gewändern kommt nach gotischer Art die Würde der Apostel zum Ausdruck.

Nach Abschluss der Arbeiten haben die Apostel eine angemessene Aufstellung in der Nachbarschaft des Schottenaltars gefunden.

P. Augustinus Zeman

Literatur: Ulrike Palm, Ein spätgotisches Skulpturenpaar: vom Umgang mit mehreren Überfassungsphasen, Diplomarbeit (unpubliziert), Wien 2017. – Ulrike Palm, Zwischen gewachsenem Zustand und ästhetischem Empfinden. Die Restaurierung eines gotischen Skulpturenpaars aus dem Schottenstift, in: Das Münster, LXX, 2017, S. 336-342.

 

 

 

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