Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Gedenktafel für Johann Jakob von Marinoni

Johann Jakob Marinoni wurde im Jahre 1676 in Udine in bürgerlicher Familie geboren. Im Alter von zwanzig Jahren ging er zum Studium der Metaphysik und der Geometrie nach Wien. Er sollte hier bleiben und als Mathematiker, Astronom und Geodät (Landvermesser) Karriere machen. Zu seinen bedeutendsten Leistungen gehört die Weiterentwicklung des geodätischen Messtisches, der in seiner verbesserten Form ein schnelleres und genaueres Arbeiten ermöglichte. Der Marinoni-Messtisch gehörte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zum Rüstzeug jedes Landvermessers.

Marinoni war Mitarbeiter am berühmten Wienplan, der im Auftrag Kaiser Leopolds I. unter der Leitung des Leander Anguissola erstellt wurde. 1705 zum Hofmathematiker ernannt, plante Marinoni 1719 die Katastervermessung des Herzogtums Mailand, die als erste wissenschaftliche Vermessung eines Staates gelten kann. Für Kaiser Karl VI. erstellte er einen Jagdatlas und arbeitete an der Verbesserung des Straßennetzes der Monarchie.

Marinoni ist mehrfach mit dem Schottenstift verbunden. Sein Gutachten schlichtete einen Streit zwischen dem Schottenstift und der Stadt Wien über einen Grenzverlauf des sogenannten Neudegger Lehens (heute 7. Bezirk). Er vermaß den Grundbesitz des Stiftes in Breitenlee und zeichnete von diesem Besitz eine prachtvolle Karte, die bis heute im Planarchiv des Schottenstifts erhalten ist. Marinoni wohnte auf der Mölkerbastei, also im Gebiet der Schottenpfarre. 79 Jahre alt, zog er sich in der Schottenkirche eine Erkältung zu, an der er am 10. Jänner 1755 starb. Zwei Tage später wurde er in der Krypta beigesetzt.

Ziemlich sicher wurde Marinoni nicht in einem metallenen Sarg, sondern im Boden der Krypta begraben. Das Wissen um die genaue Stelle seines Grabes ist verloren gegangen.

Da Marinoni in der Krypta kein Gedächtnis hatte, wurde auf Initiative von Herrn DI Heinz König eine Gedenktafel angebracht. Die Finanzierung der Tafel übernahm das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV). Dem Sponsor und Herrn DI König sei herzlich gedankt!

Die Tafel enthält einen versteckten Hinweis auf Marinoni: Ihre Höhe und ihre Breite stehen in einem Verhältnis von 1:1,15. Dies entspricht dem Seitenverhältnis jenes Messtisches, mit dem sich Marinoni für die praktische Arbeit der Geodäten so verdient gemacht hat.

Am 17. Mai 2017 wurde die Tafel im Beisein eines fachkundigen Publikums enthüllt. Die Feier war Programmpunkt eines internationalen Kataster-Kongresses, der vom BEV organisiert wurde. Herr Präsident DI Wernher Hoffmann (BEV), Herr Mag. Jan Mokre (Kartensammlung der ÖNB) sowie Herr DI Heinz König würdigten Marinonis Leistungen als Mathematiker und Geodät.

Die Tafel für Johann Jakob Marinoni ist im Rahmen der Stiftsführungen zu besichtigen: jeden Samstag, 14:30 (außer an Feiertagen); Treffpunkt im Klosterladen. Dort gibt es auch einen vom BEV gestalteten Folder zum Thema.

P. Augustinus Zeman

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