Wer bei der Verkündung der Johannespassion die Stimme Jesu lesen darf, macht eine Erfahrung des Herrn mit: sein nahezu gänzliches Verstummen, je näher die Erzählung an ihr Ende kommt. Es ist ein langes Schweigen! Erst kurz vor seinem Tod spricht Jesus wieder, zunächst zu seiner Mutter und zum Jünger, den er liebte, bevor er seinen Tod geradezu als Hoheitsakt verkündet: Es ist vollbracht! Dem entspricht der Ausblick des Evangelisten: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.

Wer so spricht, muss sich seiner Sache sicher sein – so stellt das Vierte Evangelium wenigstens die Passion dar. Die Gewissheit, dass der Vater in seiner Treue den Sohn nicht fallen lässt, bringt Jesus vor Pilatus ins Wort: Ich bin in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Die Wahrheit, von der Jesus spricht, ist aber die »Treue« Gottes.

Weil Gott die Seinen nie und nimmer verlässt, deshalb steht auch die Passion Jesu unter der Treue Gottes. So bezeichnet das Wort Jesu – „Es ist vollbracht!“ – nicht die Empfindung dessen, dessen Leiden bald vorbei ist, sondern die Gewissheit des Ostersieges.

So lädt das Johannesevangelium ein, der Treue Gottes zu trauen, die den Menschen über die Abgründe des Lebens tragen kann.