Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

Silberpokal der Firma Mayerhofer & Klinkosch (1847)

Im Jahre 1847 schenkte das Schottenkloster seinem „Verwalter der politischen Geschäftspflege“ Franz Xaver Motloch als Dank für fünfzigjährige Tätigkeit einen silbernen Pokal. Das Objekt ging seinen Weg in privatem Besitz, ehe es im Herbst 2016 im Kunsthandel auftauchte und vom Stift angekauft wurde.

Der Pokale kopiert den Typus der Deckelpokale des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Diese waren profane Gefäße, die dem Bereich des Festes und der Repräsentation angehörten. Im 18. Jahrhundert verlor der Typus an Bedeutung, um ab etwa 1830 wiederentdeckt zu werden. Das Revival der Pokale war ein Phänomen des frühen, romantischen Historismus. Diese Stilströmung äußert sich auch im Dekor des Pokals, der überwiegend manieristische mit einigen wenigen spätgotischen Formen verbindet. (Mit letzteren sind die ungewöhnlichen Dreipassmotive am Fuß des Pokals gemeint.)

Das aufwendig gestaltete, relativ große Objekt (41,5 cm Höhe) sagt gleichermaßen etwas über den Anspruch des Stiftes wie über die Wertschätzung des Beschenkten. Punzen am Metall sowie ein Firmenstempel am Etui bezeichnen den Pokal als Produkt der Firma Mayerhofer & Klinkosch. Das Silber trägt außerdem die Wiener Jahrespunze von 1847.

Mayerhofer & Klinkosch wurde 1831 gegründet. Als k. k. Hoflieferant erwarb die Firma eine marktführende Stellung innerhalb der österreichischen Monarchie. 1918 wurde sie vom Industriellen Arthur Krupp erworben. Erst 1972 wurde ihr Name aus dem Handelsregister gelöscht.

Ein Charakteristikum des Pokals ist die differenzierte Oberflächenbehandlung. Das Vor und Zurück der Wölbungen, das kleinteilige Ornament und die dichte Ziselierung versetzen die Oberfläche in flimmernde Bewegung. Außer den Schriftkartuschen gibt es keine größeren leeren Flächen. Dieser Horror vacui ist natürlich auch unübersichtlich und verwirrend. Erst die partielle Vergoldung ordnet den Dekor und macht ihn lesbar.

Ganz anders ist das schöne Etui aus Leder und rotem Samt. In seiner äußeren Form auf das Notwendige reduziert, wirkt es durch seine Geometrie, durch das Material und durch die solide Verarbeitung. In diesem nüchternen Gehäuse steht der grillenhafte Pokal wie ein Spott der Nützlichkeit.

Der Pokal ist nicht Teil der ständigen Schausammlung. Ehe er bei einer passenden Themenausstellungen zu sehen sein wird, sei er hier dem Publikum vorgestellt!

P. Augustinus Zeman

 

 

 

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