Willkommen bei den „Schotten“!

Dem Lebensort von Mönchen, die einen Ruf Gottes gehört haben, sich von ihm angesprochen wissen und bereit sind, Christus nachzufolgen. Ihre Ordensregel legt ihnen die Frage vor: „Wer ist der Mensch, der Lust hat am Leben, der Tage sich wünscht, um Gutes zu sehen?“ Ihre Antwort: „Ja, Herr, ich bin es, hier bin ich.“

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Blaue Kasel aus dem Jahr 1882

Auf dem Innenfutter der Kasel befindet sich ein Etikett mit der Aufschrift „1882 Isabella“. Zudem sind außen auf der Brustseite die Buchstaben „JP“ aufgenäht. Man darf annehmen, dass die Kasel 1882 von einer Isabella einem Priester mit den Initialen JP geschenkt wurde. Anlass war vielleicht eine Primiz oder ein rundes Priesterjubiläum. Isabella könnte eine Schwester oder die Mutter des Beschenkten gewesen sein. Wer der Priester JP war, ist derzeit nicht zu sagen. Im Schottenstift gab es 1882 keinen Konventualen, auf dem die genannten Parameter zutreffen würden.

Die Kasel besteht aus einem blauen Seidenstoff, auf den Stäbe aus Kreuzstickerei und Metallborten aufgenäht wurden. Blau gehört nicht zu den kanonischen liturgischen Farben. Seit 1570 sind für den gottesdienstlichen Gebrauch folgende Farben festgelegt: Weiß, Rot, Grün, Violett und Schwarz. Allerdings waren im Bereich der Farben lokale Anpassungen möglich. Zu diesen gehörte auch die Verwendung der Farbe Blau für Marienfeste. Blau ist die Himmelsfarbe. Maria trug den im Leib, „den die Himmel nicht fassen konnten“. Einer ihrer alten Ehrentitel lautet regina coeli (Himmelskönigin). Die kalte Farbe Blau galt auch als Symbol für Reinheit und Demut.

Das Stück ist in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich. Da ist zunächst die Kombination eines exquisiten Stoffs mit der häuslich wirkenden Kreuzstickerei. Wahrscheinlich war die Stickerei ein Werk jener Isabella. Wenn das stimmt, repräsentierte sie einen emotionalen Wert im Unterschied zum materiellen Wert der Seide und der Borten.

Ungewöhnlich sind zweitens die Buchstaben auf der Außenseite der Kasel. Sie sind – zumal in dieser Größe – für ein liturgisches Gewand unpassend. Möglicherweise hat die Donatorin diesen Punkt falsch eingeschätzt.

Auffallend ist drittens der Farbcharakter der Kasel. Das Blau der Seide changiert zum Dunklen, Violetten. In den Stickereien hingegen dominieren Brauntöne; man denkt an Senf und Cognac. Die wenigen bunten Farben sind hier gedämpft. Die Kombination des nächtlich-metallischen Blaus und der Brauntöne ist für unser Farbempfinden gewagt. Für die Entstehungszeit der Kasel ist sie aber typisch. Der Historismus hatte den Farbgeschmack einer Spätzeit: anspruchsvoll und ungefällig. Die Kasel des Priesters JP ist ein ästhetisches Objekt mit eigenem Recht und eigenem Charakter.

Sie ist bis Ende September 2017 im Museum ausgestellt.

P. Augustinus Zeman

 

 

 

 

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